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Naturschutzinsel Sa Dragonera – Foto:Olaf Trieb

 www.wander-mueller.de 









Bericht über Wanderungen im Südwesten der Insel mit der Initiative der Weit- und Fernwanderer e.V. (I.W.F.)


11. bis 23. Januar 2009

Die Fotos können im Text angeklickt werden!

Fotos von Fred Mark, Harald Hugo, Walter Büttner und Olaf Trieb



Die Sonne schien, es war richtig warm als wir auf Mallorca landeten. Wir, das sind 26 Teilnehmer in der ersten und 22 in der zweiten Woche. Da wir schon am späten Vormittag im Hotel in Peguera ankamen, schlenderten wir sogleich nach der Zimmerbelegung die schöne Uferpromenade entlang und genossen es in vollen Zügen, dem kalten Deutschland entkommen zu sein. Im Landgasthof Rancho la Romana (www.rancho-romana.com) kehrten wir zum Mittagessen ein und ließen uns die ersten mallorquinischen Gerichte schmecken. Wir saßen draußen in der Sonne bei einem Alleinunterhalter, der nicht nur mit deutschen Schlagern, sondern auch mit viel Witz für Stimmung sorgte. - Besser hätte der Auftakt nicht sein können.

Meine Aufgabe bestand nicht nur im Führen der Touren, sondern auch im Informieren. Und das nicht nur über Geschichte, Fauna, Flora und dergleichen, sondern auch über Gaumenfreuden. Letztere gleich vorweg: Am Hierbas kommt niemand vorbei. Dieser Kräuterlikör auf Anisbasis wird überall feilgeboten. Ich ziehe den trockenen, den secas, vor. Palo ist ein dunkler Kräuterlikör. Diese beiden von der Firma Tunel werden in Bunyola auf Mallorca hergestellt; sie schmecken besser als die anderer Firmen.

Mit der Geschichte ist das so eine Geschichte. Um nicht zu langweilen, aber doch zu informieren, habe ich mich kurz gefasst und versuche es auch hier:

123 v.Chr. eroberten die Römer die Balearen, hauptsächlich um der Piraterie der Mallorquiner ein Ende zu setzen. Daher hat die Inselhauptstadt Palma ihren Namen (Palmaria = Siegespalme). Der Name Balearen geht auf das griechische Wort ballein (werfen, schleudern) zurück, denn die Insulaner waren berühmt-berüchtigte Steinschleuderer.

902 übernahmen die Araber (Mauren) die Herrschaft

1229 eroberte Jaume I, König von Aragón, die Insel

1343 kam es zum Bruderkrieg, da König Jaume sein Reich unter zwei Söhnen aufgeteilt hatte. Kaum einer, der sich in Peguera, also am Westende des „Teutonengrills“, bräunen lässt, weiß, dass an diesem Strand in jenem Jahr eine Schlacht tobte, als König Pere IV von Aragón seinem Verwandten Jaume III Mallorca entriss.

16. Jh: Errichtung von Wehr- und Wachtürmen gegen die Piraten rund um die ganze Insel. Mit Rauchsignalen tagsüber und Leuchtfeuern des Nachts konnte so innerhalb einer Stunde die ganze Küstenlinie gewarnt werden.

1983 erhalten die Balearen Autonomiestatus. Mallorquin, ein katalanischer Dialekt, wird Amtssprache. Umbenennungen erfolgten, wie z.B. Paguera in Peguera.

Doch nun zu unseren Wanderungen. Zum Auftakt stiegen wir bei mehr Sonne als Wolken auf den Hausberg von Peguera, die sa Bruta (Drachenkopf). Kaum den Waldrand erreicht, stießen wir auf den ersten Kohlenmeilerplatz (Rotlo de Sitja, oder kurz Sitja). Hierzu muss bemerkt werden: Bis in die 60er Jahre des 19. Jhts., bis zum Import von Propangas, wurden diese Meiler betrieben. Dem Köhler standen ca. 2 qkm Steineichenwald pro Saison zur Verfügung. Nur alle 10 – 12 Jahre durfte er an den gleichen Platz zurückkehren. Das erklärt die Vielzahl dieser 5 – 8 m Durchmesser aufweisenden Plätze. Es war eine harte Arbeit. Nach dem Fällen der Bäume und Errichten des Meilers musste dieser, wenn er brannte, Tag und Nacht überwacht werden, damit die Flammen nicht das Holz für die Holzkohle in Brand setzten. Die Köhler wohnten in ganz einfachen Hütten, den Barracas. Der Köhler an diesem Platz jedoch hatte es zu einigem Wohlstand gebracht, denn er wohnte in einem richtigen kleinen Haus.

Weiter oberhalb existiert noch eine Zisterne, die früher den Köhler mit Wasser versorgte. Die meisten Köhler mussten das Wasser von weit her herbeischleppen – zum Waschen zu schade, deshalb wurden sie im Laufe des Sommers zu Schwarzen Männern.

Der lichte Wald besteht nicht mehr aus Steineichen, sondern aus Aleppokiefern mit viel Macchia, wie Zistrosen, Lavendel etc und bereits blühendem Heidekraut und Rosmarin. Der sehr häufig und somit auch hier anzutreffende Krummstab, der auch schon teilweise blühte, ist keine Orchidee, sondern ein Aronstabgewächs. Weiter oben gesellte sich Affodill hinzu. Noch ein Wort zu den Kiefern: Sie sind die am meisten verbreiteten Bäume auf Mallorca; Pinien gibt es nur vereinzelt, und zwar die Schirmpinien mit ihrer schönen ausladenden Krone. Der gefräßige, die Kiefern zerstörende Prozessionsspinner, der letztes Jahr im Januar in Massen auftrat, war dieses Jahr nicht oder noch nicht zu entdecken.

Der Gipfel des Drachenkopfes ist ein Felsklotz, dessen Besteigung etwas Handarbeit erfordert und eine ausgesetzte Stelle aufweist. Daher konnten nicht alle den phantastischen Rundblick von diesem gerade mal 281 m hohen Berg genießen. Im Norden steigt die Rote Wand der Garrafa an. Weiter rechts erhebt sich die Moleta de Son Vic. Dazwischen, weiter entfernt, erblickt man den zweihöckrigen Gipfel des Esclop und rechts daneben die Spitze des Galatzó. Vor der Moleta sehen wir das viereckige Wasserbecken auf dem Coll de s'Aleman. Weiter rechts erblicken wir Calvià mit seiner stattlichen Kirche. Im Westen liegt vor dem Höhenzug des Puig d'en Ric der Promi-Ort Camp de Mar. Davor schiebt sich das Cap Andritxol ins Meer.

Ein etwas verwunschener, in keiner Karte auffindbarer Pfad brachte uns zum Coll de s'Aleman. Von hier aus führt ein „Camino prohibido“, ein verbotener Weg, zur Finca Son Fortuny. Leider werden immer mehr Wege von Eigentümern gesperrt. Wenn es kein öffentliches Wegerecht gibt, kann selbst die Regierung nichts dagegen ausrichten. Da über 90% Mallorcas in Privatbesitz sind, ist dieses Problem allgegenwärtig.

Die Bezeichnungen Son und Ca'n vor einem Namen, die man auf Mallorca häufig sieht, bedeuten „Besitz des“, wobei Son bei großen Anwesen verwendet wird, und Ca'n meist an Häusern zu lesen ist.

Während ein Teil der Gruppe nach dem Picknick den Heimweg antrat, bestiegen die Konditionsstarken noch den nächsten Berg, die Moleta de Son Vic (349 m). Zunächst führte ein alter, zum Teil noch gepflasterter Karrenweg in ein Tal. Solche, oft mauergestützte Karrenwege und Saumpfade durchziehen die Tramuntana, denn die Wälder wurden nicht nur von Köhlern, sondern auch von Kalkbrennern und Viehzüchtern genutzt, Landwirtschaft wurde auf Trockenmauerterrassen bis hoch in die Berge betrieben, und in noch höheren Lagen waren die Nevater, die Schneesammler, unterwegs. All diese Leute brauchten Wege, um ihre Ware ins Tal befördern zu können.

Eigentlich überflüssig ist zu erwähnen, dass sich wiederum eine phantastische Aussicht unseren Augen bot. (Gipfelfoto)

Herrliches Wetter begleitete uns am nächsten Tag bei unserer Wanderung durch den schönen Vorort Cala Fornells zum Cap Andritxol. Hier verunziert ein hoher Zaun die Landschaft, den einst Claudia Schiffer mitten auf der langgestreckten Halbinsel an der die Halbinsel längs teilenden Grenze ihres Grundstückes errichten ließ. Da der Wanderweg durch diesen Zaun mehrmals gequert wurde, rissen ihn erboste Insulaner an diesen Stellen ein, so dass man wieder unbeschwert zum Kap wandern kann. Dem Topmodel muss dies zuviel gewesen sein; sie verkaufte ihr Anwesen angeblich für 7 Millionen Euro an einen Russen.

Zunächst erreichten wir einen der im 16. Jh. errichteten Wehr- und Wachtürme, Torres genannt (Torre), die im Gegensatz zu den Atalayas stärker befestigt waren und Platz für zwei bis drei Kanonen boten. Die Eingänge zu diesen Torres lagen etwa fünf Meter über dem Erdboden, was wir auch hier feststellen konnten. Auf steinigem Weg ging's weiter zum Cap. Es boten sich herrliche Ausblicke auf beide Seiten zu den zerklüfteten Steilküsten (Blick zum Cap des Llamp), die mit einem phantastischen Tiefblick über 180 m senkrecht zum Meer abfallenden Klippen am Kap gekrönt wurden (Picknick).

Auf dem Rückweg statteten wir noch der wild zerklüfteten Cala Monjó (Mönchsbucht) einen Besuch ab, wobei einige die Füße in das gar nicht so kalte Wasser streckten. Nach Picknick und ausgedehnter Siesta ging's wieder zurück zum Hotel.

Eine Wetterverschlechterung veranlasste mich zu einer Programmänderung am nächsten Tag. Der für die Stärkeren vorgesehene weglose Aufstieg über Felsen entlang der Roten Wand der Garaffa schien mir aufgrund der Nässe zu gefährlich, so dass wir alle zusammen durch viel Geröll in der Talsohle Coma de sa Teia aufstiegen (Foto 1, 2, 3). Der Weg glich zunächst einem Bach, denn Mallorca erlebte Unwetter mit derart viel Regen, dass nicht nur der Cúber-Stausee am Überlaufen war, sondern auch viele Felder unter Wasser standen. Erdrutsche hatten an vielen Stellen die Küstenstraße MA 10 blockiert, auf der immer noch viele kleinere Steine herumlagen, riesige Felsbrocken versperrten die Straße nach sa Calobra und zum Kloster Lluc.

Es regnete leicht, aber so kurz, dass wir nicht die Regenjacken überziehen mussten. Auf dem Kamm angekommen, überraschte uns Walter mit Hierbas Secas, der unsere Schritte zum Gipfel (462 m) beflügelte. Nun bekamen wir auch erstmals Ziegen zu Gesicht. Diese verwilderten Tiere erkennt man leicht an ihrem rotbraunen Fell und dem schwarzen Rückenstreifen. Viele haben sich jedoch mit Hausziegen vermischt, weshalb man auch graue und gescheckte Tiere sieht. Sie sind gar nicht scheu, so dass man manchmal bis auf wenige Meter an diese Vierbeiner herankommt.

Ein Feuerwachtturm auf dem Gipfel ist in der trockenen Jahreszeit besetzt, denn die Gefahr verheerender Waldbrände ist groß. Sodann überschritten wir den gesamten Kamm Richtung Norden (Picknick), wobei wir an einer Höhle, einem senkrechten Loch direkt neben dem Weg, vorbeikamen. Die Tramuntana ist sehr zerklüftet, von Spalten durchzogen, senkrechte Löcher machen das Gehen, besonders im weglosen Gelände und in der Dunkelheit, gefährlich. Man darf dieses Gebirge nicht unterschätzen. Während unseres Aufenthalts musste eine Wandergruppe vom Galatzó gerettet werden.

Beim Abstieg machten wir noch eine kurze Rast an der ehemaligen Eremitage s'Ermita, bevor wir nach Andratx weiterwanderten.

Wetterbesserung! Leihautos brachten uns nach Son Font nördlich von Calviá. Ein schöner Wanderweg führte uns zum Puig de na Bauça (614 m). Der dortige Wald besteht zu einem großen Teil aus Erdbeerbäumen, einem Erikagewächs, das bis zu zehn Meter Höhe erreichen kann. Vereinzelt waren noch weiße, glockenartige Blüten zu sehen. Die Masse befand sich jedoch im Anfangsstadium der Fruchtbildung. Die Baumerdbeeren kann man essen, sie schmecken jedoch fade.

An einer gut erhaltenen Barraca mit Sitja endet der bequeme Weg, ein von Unbekannten mit Steinstufen versehener Pfad führt zum Felsgipfel. Die grandiose Aussicht reichte bis zum schneebedeckten Puig Mayor, mit 1.447 m der höchste Berg der Insel.

Am nächsten Tag mit zweigeteilter Wanderung kamen die „Wilden“ unter uns erstmals auf ihre Kosten. Während die Masse durch das erstaunlich grüne Tal westlich der Serra des Pinotells, die Coma d'en Vidal, wanderte, bestiegen sieben „Aufrechte“ die bizarren Felsköpfe dieser Serra, die Penyals des Morro. Über Stock und Stein und viel Diss- oder Schneidegras erreichten wir diese Felsen, wobei eine quer verlaufende tiefe Spalte nur an zwei Stellen überwunden werden kann. Atemberaubende Tiefblicke belohnten die Mühe. Bei der Überquerung des Bergrückens hielten wir uns möglichst rechts nahe der Steilwand, um ab und zu in die Coma hinabschauen zu können.

Auf einer Wiese südlich der Serra stießen wir auf die andere Gruppe, die dort schon lange auf uns wartete. Dann fügte ich für die immer noch nicht Müden ein Schmankerl hinzu, die Besteigung der Mola de s'Esclop (928 m) von Osten her. Zunächst kamen wir an einem großen runden Platz vorbei, der einen wesentlich größeren Durchmesser als eine Sitja hat – ein Dreschplatz. Trockenmauern am Fuße des Esclop-Gipfelaufbaus zeugen von einstiger Landwirtschaft. Den Terrassenanbau und das Bewässerungssystem hatten die Mallorquiner von den Arabern gelernt. Welch eine Mühsal muss doch die Bewirtschaftung der Felder in dieser Höhe bereitet haben! Und diese Mauern findet man überall in der Tramuntana bis hinauf in solche Höhen. Das gar nicht einfache Trockenmaurerhandwerk war fast ausgestorben, aber man hat es in den letzten Jahrzehnten wieder belebt, was der Schönheit der Landschaft sehr zugute kommt.

An einer sich den Berg hinaufziehenden Grenzmauer bogen wir links ab und stiegen mit leichter Kletterei auf einem Pfad auf den Gipfel. Nach einer ausgiebigen Rundschau stiegen wir auf dem selben Weg wieder ab bis zu der Wiese, um dann, wie die andere Gruppe, durch die Coma d'en Vidal zurückzugehen.

Samstag, der 17. Januar, hieß für vier Teilnehmer bereits letzter Wandertag, aber mit Schmackes: Puig de Galatzó (1.027 m), der höchste Gipfel im Süden der Insel. Wieder Zweiteilung. Die „Wilden“ wurden nördlich von es Capdellá „ausgesetzt“, während der Rest über Galilea bis Font des Pi fuhr, um von dort emporzusteigen, aber nicht alle erreichten den Gipfel, denn der Felsklotz erforderte auch leichtes Klettern bei teils glattem Gestein in der Nordwestflanke des Berges.

Die „Ausgesetzten“ wanderten zunächst bis kurz vor die Finca Galatzó, die von der Regierung gekauft und restauriert wurde und noch wird und nunmehr neben einem Wetteramt auch Tagungsräume enthält. Ein Fahrweg führte uns zur Ebene ses Planes. Von dort mussten wir uns durch hohes Schneidegras und Stechginster hindurchkämpfen, um dann etwa 600 Höhenmeter weglos über Felsen emporzuklettern. Eine echte Herausforderung, sozusagen die Königsroute unseres gesamten Wanderurlaubs. Alle sieben kamen mehr oder weniger erschöpft an. Wiederum grandiose Aussicht – über etwa 2/3 der ganzen Insel. (Gipfelfoto)

Nach einer verdienten Picknickpause stiegen wir ab, trafen den Rest der anderen Gruppe und wanderten zum Font des Pi. Auf der Rückfahrt statteten wir noch Galilea einen Besuch ab. Vom Kirchplatz hat man einen weiten Blick in die Ebene nach Süden.

Die zweite Woche begann sogleich mit einem Highlight. Per Taxi ließen wir uns zum Coll de sa Gramola (km 106 der MA 10) bringen. Auf dem GR 221 (GR = Gran Recorrut, oder spanisch Gran Recorrido) wanderten wir zum ehemaligen Trappistenkloster la Trapa. An einer bestimmten Stelle hat man einen phantastischen Blick nach Nordosten an der Küste entlang. Sogar den durchlöcherten Felsen von sa Foradada kann man erkennen. An einem großen Steinmann bogen wir rechts ab zur stark windigen „Teu­felskanzel“, wo die Klippe fast 400 m senkrecht ins Meer abfällt. Wir genossen den spektakulären Tiefblick, wobei wir durch ein u-förmiges Mäuerchen vorm Hinabstürzen geschützt wurden. Besonders erwähnen möchte ich den schönen Blick auf die Naturschutzinsel sa Dragonera. Hier hatten sich die Naturschützer durchgesetzt; war doch geplant, die Küste mit Hotels zu bebauen. Der Insel haftet etwas Geheimnisvolles an; allein schon wie man sie im Meer liegen sieht, langgestreckt wie ein riesiger Drache.

Auf dem Gelände des Klosters mit hervorragender Aussicht ist eine alte Mühle erhalten geblieben. Ein Dreschplatz erinnert an die landwirtschaftliche Betätigung der Mönche. Die Fertigstellung des Refugis im ehemaligen Kloster wird wohl wegen eines Gerangels zwischen dem Eigentümer, dem Umweltverband GOB, und der Regierung noch lange dauern.

Beim Abstieg nach Sant Elm musste auch eine Kletterstelle überwunden werden, wodurch die „Damenhalter“ Gelegenheit zur Auszeichnung erhielten. Nein, nein, nicht zweideutig denken! Die „Damenhalter“, bei denen es auch eine Rangordnung gibt, sind nichts anderes als kräftige Männer, die den Wanderinnen Hilfestellung geben. Ich glaube, allein an dieser scherzhaften Bezeichnung kann man ersehen, dass wir nicht nur die vielfältige herrliche Natur genossen, sondern auch viel Spaß dabei hatten.

Die einen gingen auf direktem Weg nach Sant Elm, die Starken unternahmen noch einen Abstecher zur Cala en Basset, um dann auf steilem Weg zum Torre de Cala en Basset aufzusteigen, einem Turm, der direkt an den Abgrund gebaut ist. Auf u-förmigen Eisenstiften kann man im Turm aufsteigen. Ein Pfad in Küstennähe forderte uns nochmals heraus, denn wir mussten viele vom Sturm entwurzelte Bäume übersteigen. In einer Felsrinne versperrte ein längs liegender Baum den Weg. Wir konnten dieses Hindernis nur kriechend überwinden. Somit ging wieder ein erlebnisreicher Tag zu Ende.

Der Montag war Palma-Tag. Die Markthalle enttäuschte; die auch in Spanien angekommene Krise veranlasste offenbar viele Bestücker zum Rückzug. Was war das früher ein Genuss, allein das überreichliche Fischangebot zu bestaunen. Da störte es nicht, dass aufgrund des überfischten Mittelmeeres 2/3 der Ware vom Atlantik eingeflogen werden musste.

Im Celler (Weinstube) sa Premsa (www.cellersapremsa.com) genossen wir einheimische Kost. Die Fässer an den Wänden sind allerdings nur Attrappen. Schade, dass es den Celler Montenegro nicht mehr gibt; das war ein richtiger tiefer Weinkeller mit richtigen Fässern. Nachmittags besuchten einige noch die berühmte Kathedrale, deren Grundstein auf einer zerstörten Moschee kurz nach der Eroberung durch Jaume I gelegt wurde.

Von Port d'Andratx, dessen Neubauten sich wie ein Moloch in die Berge hineinfressen, stiegen wir am nächsten Tag zum Coll des Vent auf. Hier stehen direkt nebeneinander die Reste zweier Kalkbrennöfen. Die Öfen wurden zylindrisch etwa zur Hälfte in die Erde hineingebaut. In der Mitte wurde der Ofen ohne Mörtel gemauert, drumherum und darüber wurden fachmännisch ausgesuchte harte Steine gestapelt. Das Brennen war eine mühselige, wenig Gewinn bringende Arbeit. In der Brennzeit von 9 bis 15 Tagen musste ununterbrochen, Tag und Nacht, Holz nachgelegt werden, damit die Hitze erhalten blieb. Ein Brand lieferte etwa 100 bis 150 to Kalk, der zum Tünchen der Wände und als Baumaterial verwendet wurde.

Mit schönen Blicken über die Küste, auch in die Cala d'Egos, erreichten wir den Pas Vermell und genossen die Sonne beim Picknick. Vermell heißt zinnoberrot. Dies erkennt man auf der anderen Seite des Kamms, denn die Felswände haben mehr oder weniger diese Farbe. Fast überflüssig zu erwähnen, welch toller Ausblick auf Küste und sa Dragonera sich hier bietet. In Sant Elm angekommen, genossen wir auf der Terrasse eines Restaurants direkt am Meer die Sonne.

Eine kleinere Wanderung führte uns von Port d'Andratx über Camp de Mar nach Peguera, wobei wir nochmals die Mönchsbucht zum Picknicken ansteuerten.

Eine Ausflugsfahrt war angesagt. Entlang der kurvenreichen Küstenstraße erreichten wir Valldemossa, ein schönes Bergdorf mit verwinkelten Gassen, blumengeschmückten Häusern, aber vor allem bekannt durch das Liebespaar Frédéric Chopin und George Sand, die den Winter 1838/39 in dem ehemaligen Kloster verbrachten. Die nächste Station war Son Marroig. Hier wirkte Mitte des 19. Jhts. der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator, der sich um Mallorca sehr verdient gemacht hat. Das Museum zu besichtigen fehlte uns die Zeit, denn wir wanderten noch hinab zur Halbinsel sa Foradada mit dem durchlöcherten Felsklotz.

Schon die ganzen Tage, aber besonders auf diesem Weg konnten wir die vielen alten knorrigen Olivenbäume bestaunen, die einst die Römer eingeführt hatten. Manche behaupten, es gäbe 2.000 Jahre alte Bäume. Da habe ich meine Zweifel, aber eintausendjährige Bäume gibt es mit Sicherheit. Auch die Johannisbrotbäume, die wir an vielen Stellen antrafen, werden sehr knorrig. Die Früchte, bohnenartige schokoladenfarbige Schoten mit Kernen, werden entweder gar nicht mehr geerntet oder als Viehfutter verwendet.

Einige kletterten auch den Felsen hinauf und bis zu dessen Spitze über dem riesigen Loch. Nun blieb nur noch etwas Zeit, um dem (ehemaligen) Künstlerdorf Deiá einen Besuch abzustatten. Hoch über dem Dorf auf einem Hügel thront die Kirche. Auf dem angrenzenden Friedhof ist auch der deutsche Maler Ulrich Lehman begraben; er wurde 102 Jahre alt.

Spät war's geworden. Deshalb fuhren wir einen schnelleren Weg über Sóller und Palma zurück.

Den immer noch nicht „Gezähmten“ stand nochmals eine zünftige Bergtour bevor. Das Wetter war nicht ideal, starker Wind und zeitweise Regen, aber wir wagten es. Der Regen hörte auf, der Wind wurde jedoch stärker.

Von der Pla de s'Evangélica (km 104,5 der MA 10) wanderten wir zunächst auf Fahrwegen durch die Coma des Cellers (Kettenhund), um dann auf steilem Pfad zum Pas Gran aufzusteigen. Nun ging's weglos über viele Felsbrocken, aber gut mit Steinmännchen markiert, bergauf. Den Zaun der Finca ses Alquerioles konnten wir auf Leitern übersteigen. Weiter oben mussten wir direkt unterhalb einer Felswand auf einem Pfad entlanggehen. Steine auf dem Weg zeugten von Steinschlägen. Wir passierten diese Stelle zügig. Da aufgrund des vielen Regens in den letzten Wochen die Erde aufgeweicht war, sah ich eine erhöhte Gefahr. Bei dieser Gelegenheit möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen: Steinschlag darf in der Tramuntana nicht unterschätzt werden, besonders bei Regen.

Dieses Mal nahmen wir den Gipfelaufbau des Esclop von Westen her in Angriff. Hier gibt es keinen Weg wie auf der Ostseite. Wir mussten also an einer weniger steilen Stelle aufsteigen. Der Wind wurde zum Sturm. Mich haben die Böen ein paarmal ins Schwanken gebracht, so dass ich mich abstützen musste. Die Hausruine auf dem Gipfelplateau bot ein wenig Schutz, sonst hätten wir auf unser Picknick verzichten müssen. Unser Hinweg war auch der Rückweg. Als wir aus dem Gemäuer heraustraten, hatte der Sturm nochmals zugenommen. Wir mussten höllisch aufpassen, nicht umgeworfen zu werden. Zum Glück kam der Sturm von Westen. Wir wurden also gegen die Wand gedrückt. Eine andere Sturmrichtung wäre noch viel gefährlicher gewesen. Wir kamen wieder heil unten an. Somit hatten die vier Unentwegten nochmals ein „Abenteuer des kleinen Mannes“, wie ich zu sagen pflege, erlebt.

Die größere Gruppe fuhr an diesem Tag nach Banyalbufar und wanderte auf dem schönen Küstenweg nach es Port des Canonge. Da man in dem dortigen Restaurant geneppt wird, war wiederum Picknick angesagt, bevor es auf demselben Weg wieder zurück ging.

Am letzten Tag ließen wir es gemütlich ausklingen. Bei viel Wind aber herrlichem Sonnenschein wanderten wir vormittags durchs liebliche Nachtigallental. In einem schönen Restaurant in es Capdellá ließen wir uns Pa amb oli schmecken. Das ungesalzene Brot wird mit Olivenöl beträufelt, mit Salz bestreut und mit Tomatenscheiben, Schinken und/oder Käse belegt. Dazu gibt es schwarze und grüne Oliven, Kapern, Meerfenchel, Peperoni und Sauereingelegtes. Dieses beliebte mallorquinische Vesper war früher ein Arme-Leut-Essen, natürlich ohne Käse und Schinken.

Nachmittags gingen wir noch zur Finca Galatzó. Die Mandelbaumblüte setzte zwar dieses Jahr wegen des kalten Winters später ein als sonst, aber wir konnten doch einige Bäume ausmachen, die schon fast voll aufgeblüht waren.

Zwei erlebnisreiche Wochen waren zu Ende. Da meine Frau Ursula mithalf, konnten wir an einigen Tagen die Gruppe teilen, um gleichzeitig schwierige und leichtere Touren gehen zu können. Im Vordergrund stand jedoch das „Genusswandern“, verbunden mit viel Geselligkeit während den Touren und an den Abenden, verbunden mit dem Genießen der herrlichen Landschaft und mit gutem Essen und Trinken. Man kann nicht sagen, was schöner war, die Aussichten von den Berggipfeln, den Panoramawegen und den oft hunderte Meter senkrechten Felsen und Klippen oder das Wandern und Klettern durch wilde Täler. Aufgrund der Resonanz der Teilnehmer wage ich zu anzunehmen, dass es allen gefallen hat. Wir haben alte Freunde wiedergesehen und neue Freunde gewonnen.


Warten auf die Nachzügler



Quellen:
Herbert Heinrich: Mallorca, Wanderungen durch die Südwest-Region, Band 1 und 2 (bei Google unter „herbert heinrich mallorca“ suchen)
Dorothea und Paco Ponce: Mallorca, Zwei Mallorquiner zeigen ihre Heimat -Rund um Sóller- (
www.pacoponce.de)
Gerhard Beese: Mallorca – DuMont Richtig wandern