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Wandern in der Serra de Tramuntana:

Gipfelweg

Der Wanderbericht

Tabellarische Übersicht
über unsere Etappen

Tag

Bestiegene Berge

Hm
Aufstieg

Hm
Abstieg

Übernachtung





Hotel in Peguera

1

sa Bruta – sa Mola (Moleta de Son Vic) -Puig de Garrafa

1450

1290

Biwak bei der Caseta des Tramuntanal (Nähe Finca Galatzó)

2

Puig de Galatzó

1740

1230

Biwak am Fuß der Serra des Puntals

3

Serra des Puntals – Puig de sa Mola de Planicia

670

1200

Hotel in Esporles

4

Sa Comuna

1120

530

Biwak vor dem Refugi de Son Moragues (Refugi des Cairats)

5

Puig des Teix – Puig des Vent – sa Galera

610

1320

Hotel in Sóller

6

Ruhetag



Hostal in Sóller

7

Puig d'Alfàbia – Cornador Gran

1280

390

Biwak in der Schutzhütte am Cornador Gran

8

Puig de l'Ofre – na Franquesa – sa Rateta

880

1270

Biwak vor dem Refugi Tossals Verds

9

Puig de Massanella

1120

1160

Kloster Lluc

10

Tomir

1270

1400

Kloster auf dem Puig de Maria bei Pollença



10140

9790


Tabellarische Übersicht
über die bestiegenen Berge


Höhe
m

Sa Bruta

281

Sa Mola (Moleta de Son Vic)

349

Puig de Garrafa

462

Puig de Galatzó

1.027

Puntals de Planicia

893

Puig de sa Mola de Planicia

941

Sa Comuna

704

Puig des Teix

1.064

Puig des Vent

1.005

Sa Galera

908

Puig d'Alfàbia

1.069

Cornador Gran

956

Puig de l'Ofre

1.093

Na Franquesa

1.067

Sa Rateta

1.113

Puig de Massanella

1.365

Tomir

1.104

Veranschlagt hatte ich für diese Tour drei Wochen. Die reine Wanderzeit bezifferte ich auf etwa 10 Tage. Aber ich wollte genügend Puffertage haben. Also buchte ich Linienflüge für den 24. April und den 15. Mai 2013 und das uns noch unbekannte Hotel Morlans in Peguera. Zum Flughafen Frankfurt kommt man recht einfach mit dem Zug. Vom Flughafen Palma zum Hotel buchte ich einen Transfer mit der Firma resorthoppa.de. Die erste Sorge war, ob das alles klappt, vor allem der Transfer auf Mallorca. Nun, es hat funktioniert, nur die versprochene maximale Transferzeit zum Hotel wurde etwas überschritten. So kamen wir kurz vor 20:30 Uhr gerade noch rechtzeitig zum Abendessen an.

Zwei Nächte hatten wir im Morlans gebucht, um uns noch zu akklimatisieren bevor es losging. Der Wetterbericht für die nächsten Tage war jedoch so schlecht, dass wir drei Tage verlängerten. Wir mussten zwar umziehen, aber das war bei unserem geringen Gepäck kein Problem. Die weitere Vorhersage versprach aber erst ab Dienstag schönes Wetter, sodass wir nochmals einen Tag dranhingen. Zwischendurch schien auch mal die Sonne, sodass wir zwei Trainigstouren unternehmen konnten, also nicht nur im Hotel rumsitzen bzw. -liegen mussten.

Jetzt schon erwies es sich als goldrichtig, dass ich genügend Puffertage einkalkuliert hatte. Hätte ich für die Tour nur zwei Wochen veranschlagt, wäre unser Unternehmen von vornherein schon gescheitert gewesen, oder wir hätten trotz des schlechten Wetters loswandern müssen. Das wäre sicherlich nicht gut gegangen, denn es gab sintflutartige Regenfälle, die unsere Moral vor allem beim Biwakieren bald untergraben hätten. Außerdem ist das Wandern auf Mallorca bei Regen wegen des Steinschlags gefährlich. Um es vorweg zu sagen, ab Dienstag gab es nur noch schönes Wetter. Der erste Regen kam an unserem Abreisetag. Was hatten wir ein Glück!

Das Hotel ist eher klein, was uns sehr recht war. Die Auswahl am Buffet ist nicht groß, aber mit der Qualität waren wir sehr zufrieden. Auch das freundliche Personal ist sehr angenehm. Ich denke, ich war nicht das letzte Mal dort. An unserem Abreisetag waren wir schon früh, vor 8:00 Uhr, beim Frühstück, um uns nochmal richtig satt zu essen. Eine Stunde später starteten wir voller Spannung, was uns in den nächsten Tagen erwarten würde. Eine kleine Anekdote am Rande: Beim Auschecken mit unseren geschulterten Rucksäcken fragte uns die Dame an der Rezeption, wo wir unsere Koffer hätten. Ich schmunzelte und zeigte mit dem Daumen nach hinten. Ja, solche Touristen sind schon ungewöhnlich.

1. Wandertag

Peguera – sa Bruta – sa Mola – Puig de Garrafa – es Capdellà – Caseta des Tramuntanal

Da unser Hotel am Ostende des Ortes liegt, wanderten wir zunächst durch die „Flaniermeile“ Bulevar nach Westen bis zum Kreisel, von dort die Carrer de la Talaia (spanisch: Calle Atalaya) aufwärts. Prompt bin ich weiter oben eine falsche Straße gegangen, sodass wir zunächst auf einem anderen als geplanten Weg Richtung unseres ersten Berges, sa Bruta, wanderten. Das war mal wieder typisch Alwin; gleich zu Beginn einen Fehler machen. Die Beschreibung des richtigen Weges lautet folgendermaßen: Die C. de la Llimonera und die C. del Bosc lässt man links liegen, folgt der C. Dr. Noe, der C. del Tamarinde, der C. Bellavista und der C. del Baladre. Nach mehreren Kehren kommt man an der Terrassenhaussiedlung Monte Esmeralda vorbei. Am Wendehammer hält man sich geradeaus, hat anfangs noch einen betonierten Fußgängerweg zur Rechten, um dann auf einem steinigen Forstweg weiter zu wandern.Natürlich werde ich nicht den ganzen Weg detailliert beschreiben. Das kann ich auch gar nicht. Aber zum Einstieg eine Hilfe ist nicht verkehrt. Oft ist das Schwierigste, den Einstieg zu finden, was sicherlich allen bekannt ist.

Noch ein paar Worte zur Flora: Der lichte Wald besteht aus Aleppokiefern mit viel Macchia, wie Zistrosen, Heidekraut, Rosmarin, Lavendel etc. Der sehr häufige, und somit auch hier anzutreffende Krummstab ist keine Orchidee, sondern ein Aronstabgewächs. Weiter oben gesellt sich Affodill hinzu. Die Kiefern sind die am meisten verbreiteten Bäume auf Mallorca; Pinien gibt es nur vereinzelt, und zwar die Schirmpinien mit ihrer schönen ausladenden Krone. Die Steineichenwälder wurden wegen des Einschlags zur Holzkohlengewinnung stark dezimiert. Daher findet man heute auch Kohlenmeilerplätze (Sitjas) in Kiefernwäldern, da die schnellwachsende Kiefer das Terrain erobert hat (Siehe www.wander-mueller.de/mallorca-allgemein.html). Aber es gibt immer noch ausgedehnte Steineichenwälder, die mir viel besser als die Kiefernwälder gefallen. In den Bergen Mallorcas mit den vielen Felsen und Steinen machen diese meist lichten Wälder einen mystischen Eindruck auf mich.

Wir kamen an der Ruine eines Köhlerhauses vorbei. Normalerweise wohnten die Köhler in einer Barraca, einer einfachsten winzigen Hütte mit einem Dach aus Zweigen und Schneidegras. Der Köhler hier wohnte luxuriös in einem Haus. Nun ging es steiler bergan. Es gibt mehrere Pfade mit Steinmännchen. Man darf sich nicht zu weit rechts halten, sonst kommt man direkt zum Coll de s'Aleman. Ein Felsplateau ist ein Orientierungspunkt, denn auf dieses muss man zugehen. Dahinter lugt hinter Bäumen in etwa 100 Metern Entfernung der Felsklotz hervor, der den Gipfel der Sa Bruta (Drachenkopf) krönt. Wir wanderten direkt auf diesen zu, umgingen eine Felsbarriere links, hielten uns am Fuß des Felsstocks rechts, dann links schwenkend erreichten wir mit leichter Kletterei auf einer ausgesetzten Felsrampe das Gipfelplateau.

Das Berglein ist nur 281 Meter hoch, bietet aber einen phantastischen Panoramablick. Im Norden hinter der Finca Son Fortuny steigt die Rote Wand der Garrafa an. Weiter rechts erhebt sich die Moleta de Son Vic (sa Mola). Dazwischen, weiter entfernt, erblickt man den zweihöckrigen Gipfel des Esclop und rechts daneben die Spitze des Galatzó. Vor der Moleta sieht man das viereckige Wasserbecken auf dem Coll de s'Aleman. Weiter rechts liegt Calvià mit seiner stattlichen Kirche. Im Westen ist vor dem Höhenzug des Puig d'en Ric der Promi-Ort Camp de Mar zu sehen. Davor schiebt sich das Cap Andritxol ins Meer.


Die Rote Wand der Garrafa vom Drachenkopf (sa Bruta) aus gesehen.
Im Vordergrund die Finca Son Fortuny


Blick vom Puig de Garrafa auf Peguera. Im Hintergrund links Santa Ponça mit den Malgrats-Inseln

Auch die wilden Ziegen lieben diesen Gipfel, was ihre zahlreichen Hinterlassenschaften beweisen. Nun sind wir fast in der Direttissima an vielen Felsen vorbei einen Trampelpfad zum Coll de s'Aleman abgestiegen. Den hier links abzweigenden Weg zierte früher ein Verbotsschild: Son Fortuny - Prohibido el Paso. Der Besitzer versucht angeblich, die Wanderer mit einem Luftgewehr zu verscheuchen. Das Schild fehlte, zur Finca sollte man trotzdem nicht hinuntergehen. Der Weg zum Gipfel der sa Mola führt weiter rechts zunächst hinunter bis zu einem Ackerland mit Olivenbäumen. Da gelangt man links auch zur Finca, aber unser Weg führte rechts hinauf über Terrassen in den Wald hinein. Rechts erblickten wir einen alten Kalkbrennofen. Nach einer großen Links- und einer Rechtskehre liegt zur Rechten eine noch recht gut erhaltene Sitja mit der Ruine einer Barraca.

Viele alte Saumpfade, gepflasterte, oft mauergestützte Karrenwege, durchziehen die Serra de Tramuntana, denn die Wälder wurden von Köhlern, Kalkbrennern und Viehzüchtern genutzt, Landwirtschaft wurde auf Trockenmauerterrassen bis hoch in die Berge betrieben, und in noch höheren Lagen waren die Nevater, die Schneesammler, unterwegs. All diese Leute brauchten Wege, um ihre Ware ins Tal befördern zu können.

An einer Gabelung wandten wir uns nach rechts und erreichten bald das Gipfelplateau, das nach Osten immer schmaler wird. Auf dem Felsgipfel der Moleta genossen wir wieder eine herrliche Aussicht, die weitgehend identisch ist mit der von der Sa Bruta.

Der Weg auf diesen Gipfel ist mit roten Pfeilen an Felsen markiert. Aber es hat jemand, sicherlich der Eigentümer, versucht diese wegzumeißeln, was nur halbwegs gelungen ist, sodass man sie noch gut erkennen kann. Da musste ich an die Worte eines Wanderers denken, der von einem Mann darauf hingewiesen wurde, dass er hier nicht wandern dürfe, da es Privateigentum sei. Leider werden die Wandermöglichkeiten immer mehr beschränkt.

Eine Überschreitung dieses Berges ist nicht möglich. Wir mussten also ein Stück zurückgehen, dann rechts einen Pfad hinunter, der zu einer Hausruine führt. Diese ließen wir links liegen, ebenso einen Linksabzweig und wanderten weiter hinunter auf eine Hochspannungsleitung zu. Vor einem Steilhang geht der Pfad in einer Linkskurve in einen Karrenweg über und windet sich über Serpentinen zu Tal, vorbei an einem recht großen alten Kalkbrennofen. Am Col de Garrafa nahmen wir den Fahrweg, der an der Roten Wand am nächsten vorbeiführt, also den geradeaus weiterführenden. Zwei steile Rechtsabzweige ließen wir liegen. Am zweiten fällt ein Kalkbrennofen auf, der nicht wie gewöhnlich mit einem schmalen Zugang zur Feuerstelle in die Erde gegraben, sondern an der Vorderseite hoch aufgemauert wurde.

Kurz vor dem Coll Andritxol stießen wir auf ein mir bisher unbekanntes Tor, das man aufgrund eines Zaunes nicht umgehen kann. Vom Überklettern des Tores nahmen wir Abstand, weil es total verrostet war. Das war ein Fehler, wie sich später herausstellte. Man sollte drüberklettern, denn am nächsten mir bekannten Tor kann man recht leicht außen herumgehen. Einige Meter dahinter führt dann rechts der allerdings leicht zu übersehende steile Pfad zur Garrafa hinauf. Aber Steinmännchen und ein auf privates Jagdgebiet hinweisendes Schild weisen den Weg. Der Pfad hört jedoch auf, und es geht weglos über Felsen, von Steinmännchen geleitet, hinauf. Allerdings weiß ich nicht, wie weit der Zaun rechts vom Weg reicht. Man kann aber auf dem Fahrweg bis zu einem Wasserwerk weitergehen und dahinter den Normalweg durch die coma (Talsohle) de sa Teia zur Garrafa aufsteigen.

Bereits zu Hause hatte ich Gerd darauf hingewiesen, dass unsere Wanderung allein schon wegen der möglicherweise unpassierbaren Zäune ein Abenteuer werden kann. Dass wir schon am ersten Tag mit diesem Problem konfrontiert werden würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Das ist ärgerlich. Wenn immer mehr Wege gesperrt werden, kann man leicht die Lust verlieren, auf Mallorca zu wandern.

Wir befanden uns ja innerhalb des gesperrten Geländes. Das Verbotsschild hängt auf der anderen Seite des Tores. Wir kamen also praktisch von hinten und wurden am Verlassen dieses Geländes gehindert. Das ist nicht die Absicht der Eigentümer. Sie wollen die Leute ja nicht einsperren, sondern aussperren. Dass einige wenige Wanderer von der anderen Seite kommen und im schlimmsten Fall wieder umkehren müssen, scheint sie nicht zu stören.


Blick vom Puig de Garrafa auf Port d'Andratx


Blick vom Puig de Garrafa auf Andratx. Im Hintergrund Mitte die Naturschutzinsel sa Dragonera

Doch zurück zu unserem Fehler. Wir glaubten, wenn wir rechts vom Zaun durch den Wald stapfen, müssen wir auf den vorerwähnten Pfad stoßen. Das stimmt auch in der Theorie. Wir hatten den Pfad bzw. „weglosen Weg“ allerdings übersehen. Als wir endlich auf einen Pfad stießen, wähnten wir uns richtig zu sein und stiegen auf. Aber wir landeten an einer Kletter-Felswand. Der Pfad führte wieder hinunter, und wir folgten ihm, um schließlich auch auf dem Normalweg zu landen und auf diesem aufzusteigen. Es ist ein mühsamer Weg über viel Geröll in der Talsohle. Endlich auf dem Plateau der Garaffa angekommen, erblickt man den Gipfel, zu erkennen an dem Feuerwachtturm der staatlichen Naturschutzbehörde ICONA wegen der Waldbrandgefahr. Auf einem ausgetretenen Pfad, zuletzt über ein paar Felsen, erreichten wir den Gipfel. Der Rundblick ist wiederum phantastisch. Das gewaltige Esclop-Massiv liegt sehr nahe, rechts dahinter ragt der spitze Gipfel des Galatzó heraus.

Wir lagen bestens in der Zeit, es war erst etwa 15:00 Uhr, sodass wir uns eine stressfreie Mittagspause gönnen konnten. Dann stiegen wir hinunter zu einem Sattel, von dem links ein Weg hinunterführt. Wir gingen jedoch geradeaus weiter auf dem schmaler werdenden Plateau. An einer Stelle, an der der Pfad etwas abwärts halbrechts weiterführt, waren wir nur ca. 20 m vom linken Abgrund entfernt. Dort lohnt ein Blick hinunter. Kurz dahinter liegt links die enge Mündung einer Höhle, in die rechts und links eines Felsklotzes senkrechte Abgänge hineinführen.

Bald danach erreichten wir eine Trockenmauer an einem Felsen zur Linken, die auch mit einem neuen Zaun versehen ist, den man aber übersteigen kann. Gleich dahinter führt links ein Karrenweg nach Andratx hinunter. Wir mussten jedoch nach rechts absteigen. Wir gingen also zunächst noch geradeaus weiter. Wir ließen einen Felskopf rechts liegen und befanden uns plötzlich auf einem mauergestützten Weg. Nun erblickten wir vor einem weiteren Felskopf, der die Garrafa abschließt, rechts einen Zaun, durch den wir in einer Lücke hindurchgingen.

Bis wir wieder auf einen Weg stießen, ging es abenteuerlich hinunter. Ich hatte mehrere Möglichkeiten probiert und hoffte, die einfachste Variante gefunden zu haben: 10 Schritte weglos hinunter im rechten Winkel zum Zaun. Links ab auf undeutlichen Trampelpfad. Der Pfad verbreitert sich, ist grasähnlich bewachsen mit einem schmalen Trampelpfad in der Mitte. Direkt davor rechts ab. Dort wo das Schneidegras dichter wird, links ab auf eine Terrasse oberhalb einer Trockenmauer. An deren Ende wieder rechts hinunter. Dann muss man schauen, wo man am besten hinunterkommt. Wichtig ist, dass man die Senke mit dem fast undurchdringlichen Schneidegras rechts liegen lässt. Es folgt ein steiniges abschüssiges Feld, das hauptsächlich mit Aphodill bewachsen ist. Da kann man gut absteigen. Das Aphodillfeld wird steiler, aber immer noch da gehen. Man nähert sich in spitzem Winkel der Senke, der Aphodill-Bewuchs endet, Krummstab dominiert. An einer niedrigen Trockenmauer steil rechts hinunter in die Senke. Gleich wieder links und rechts hinunter am Rand der stark bewachsenen Senke. Eine hohe Trockenmauer links umgehen und auf Fels und Stein am linken Rand der Senke weiter. Damit umgeht man auch die Trockenmauern. Man erkennt in der Senke einen von Moos bewachsenen Platz. Auf den zugehen, aber rechts liegen lassen, und schon stößt man auf einen Fahrweg, der links an einem Felsen entlangführt.

Zwischendurch bietet sich ein schöner Blick auf es Capdellà. Dahinter liegt Calvià mit der imposanten Kirche vor der Serra de Na Burguesa. In deren Verlängerung nach links erhebt sich eine bewaldete gleichmäßige Bergkuppe, die Bauça. Links im Tal steht eine Finca, an der wir vorbeikamen.

Nach einem kurzen Wegstück trafen wir zur Linken auf einen Ziehbrunnen. Der ist privat, aber bei Bedarf würde ich es mir erlauben, da Wasser zu schöpfen. Dann mussten wir ein Tor mit zwei Wagenrädern passieren, indem wir den Zaun zur Rechten durch Hochschieben einer Drahtschlinge öffneten. Und wieder ein Verbotsschild in der Gegenrichtung. Ein weiteres Tor öffneten wir durch Hochheben auf der rechten Seite. Einen Linksabzweig ignorierten wir. Nach einer Hausruine bogen wir rechts ab auf einen weiteren Fahrweg, der den Torrent d'es Gorg entlangführt. Der Fahrweg endet an einem Gehöft zur Linken. Wir gingen am rechten Rand eines Ackers entlang Richtung Wald und dann nicht den Fahrweg rechts hoch, sondern einen Pfad direkt links neben dem Fahrweg geradeaus, der nach wenigen Metern in einen hauptsächlich mit Schneidegras ziemlich zugewachsenen Pfad mündet. Hier tauchen Steinmännchen und Pfeile auf, die uns lange Zeit den Weg wiesen. An einem Wasserreservoir gingen wir auf breiterem Fahrweg rechts. Ein Tor mussten wir rechts umgehen.Schließlich gelangten wir zu einem Parkplatz am südlichen Ende des Nachtigallentals. Ein Schild weist geradeaus den Weg nach Peguera, links den Weg nach Es Capdellà. Wir wanderten links auf breitem Fahrweg mit einigen Häusern zu beiden Seiten bis wir die MA 1031 erreichten. Leider muss man etwa 750 m nach rechts auf der Landstraße gehen. Im Ort gibt es leider keine Übernachtungsmöglichkeit. Im Supermarkt sa Botiga d'en Lluis im Zentrum in der Calle de Major kauften wir Proviant und in der Nähe in der Bar Nou ließen wir uns ein Bier schmecken und genossen unser Abendessen, auf das wir jedoch bis 19:00 Uhr warten mussten.

Frisch gestärkt gingen wir ein Stück zurück und nahmen den rechten Abzweig zur Finca Galatzó. Nun mussten wir uns entscheiden, wo wir biwakieren wollten. Die Finca Galatzó wurde zwar von der Regierung aufgekauft und ist öffentlich, aber ein Refugi soll dort erst eingerichtet werden. Bis jetzt gibt es nur ein Informationszentrum mit Tagungsräumen. Direkt an der Finca übernachten? Wir entschieden uns für die Caseta des Tramuntanal und zweigten nach links ab. Wie erwartet, war sie geschlossen, aber wir konnten dort ungestört die Nacht verbringen. Gar nicht leicht erwies sich die Suche nach einem geeigneten Plätzchen. Der dazu gehörende Rastplatz ist sehr steinig. Ich überlegte schon, auf einem der Tische zu schlafen. Aber da meine Luftmatratze ziemlich glatt ist, hatte ich Bedenken, runterrutschen zu können. Wir entschieden uns für eine Stelle unter einem Baum direkt neben dem Haus.


Blick vom Puig de Garrafa nach
Norden auf den Puig de Galatzó
(rechts) und die Mola de s'Esclop


Auch das gibt’s in der Tramuntana: üppige Blumenwiese

2. Wandertag

Caseta des Tramuntanal – ses Planes – Puig de Galatzó – Font de Dalt – Serra des Puntals

Wie erwartet, hatten wir nicht gut geschlafen. Natürlich verrutschte ich mit meinem Schlafsack auf der Matratze und diese wiederum rutschte von der Rettungsdecke runter, die ich untergelegt hatte. Da wir beschlossen hatten, keinen Kocher mitzunehmen, gab's zum Frühstück nur kaltes Wasser und Brot mit Hartkäse und -wurst und ein wenig Obst. Uns erwartete ein harter Tag, denn wir wussten, dass wir erst am nächsten Tag in die Zivilisation kommen würden. Da es auf dem ganzen Weg dieses Tages nur eine Quelle gibt, quälte uns die bange Frage, ob diese schüttet. Was tun, wenn nicht? Ohne Wasser, unmöglich. Umkehren? Wir mussten mit allem rechnen. Aber wir verdrängten die Gedanken und wollten einfach abwarten.

Als wir wieder in die Gänge gekommen waren, lief's ganz gut. Wir gingen zurück bis zum gestrigen Abzweig, dann ein Stück Richtung Finca und folgten nach rechts und gleich wieder links dem Schild ses Planes. Das ist eine Hochebene, zu der ein breiter schottriger Weg führt. Aber der Blick ins fruchtbare Tal des Torrent de Galatzó mit seinen Mandelbäumen, Olivenhainen und Orangenplantagen ist wunderschön. Gut zu sehen sind auch die historischen Wassermühlen. Im Norden erheben sich die beiden Gipfel der Mola de s'Esclop. Ab ses Planes wird’s abenteuerlich, zunächst auf einem fast gänzlich von Dissgras und anderem Gestrüpp zugewachsenen Pfad, dann folgen teils weglos, teils auf einer Wegspur nahezu 600 Hm Kraxelei.

Hier der Versuch einer Wegbeschreibung: Rechts am letzten Baum der Ebene weist ein Pfeil den Weg geradeaus weiter. Der Pfad verzweigt sich, führt aber wieder zusammen. Links stehen zwei Hausruinen. Dann gehen wir, uns rechtshaltend, hinunter in eine Senke und machen einen Linksbogen. Zwischen zwei Kiefern auf einer Mauer erblicken wir ein Steinmännchen. Hinter dem rechten Haus zieht sich eine weitere Senke nach rechts ein Stück den Hang hoch, die wir in einem Linksbogen umrunden. Am Steinmännchen angekommen, sehen wir links daneben auf einem Felsen einen grünen Strich, den ich als richtungweisend ansehe. Wir gehen also auf der Mauer weiter. Dort wo die Mauer eine Linkskurve macht, erblicken wir geradeaus ein Steinmännchen. Dahinter rechts ab zum nächsten Steinmännchen auf einer weiteren Mauer. Weiter hoch, den blauen Punkten auf Steinen nachgehen. Eine einsame Kiefer lassen wir rechts liegen. Eine weitere Senke lassen wir zunächst links liegen und gehen auf ein Steinmännchen auf einem Felsen zu und auf eines auf einem Baumstumpf. Bis jetzt war noch alles wenig steil.

Wir queren die Senke, wo sie kaum noch Vertiefung hat, und gehen geradeaus den Hang hoch. Wir treffen auf einen gelben Pfeil. Dann sind wir aus dem hohen Dissgras heraus und erkennen besser die Steinmännchen. Links unter uns ist ein mauergestütztes Pflaster zu sehen. Hierher muss es wohl einen Saumpfad gegeben haben. Nun gehen wir die Direttissima auf den Galatzó-Gipfel zu, gut mit Steinmännchen markiert. Natürlich erblickt man nicht immer gleich vom letzten das nächste Steinmännchen; da muss man schon ein paar Meter weitergehen und Ausschau halten.

Ab etwa 700 Hm wird das Gelände steiler. Da muss man schon auch mal die Hände zu Hilfe nehmen. Linkerhand wieder eine Senke mit steil abfallender Felswand. Die Steinmännchen weisen uns nun etwas nach rechts. Vom Kamm haben wir einen grandiosen Blick auf die andere Seite. Wir gehen links unterhalb vom Kamm, lassen den Felsklotz direkt vor uns rechts liegen. Dann wechseln wir auf die rechte Seite und stellen fest, dass der vermeintliche Gipfel, auf den wir zugestrebt sind, nur ein Vorgipfel ist. Der Hauptgipfel trägt eine Säule, auf die wir nun direkt zugehen.

Soweit meine Beschreibung von einer Vortour, die uns sehr behilflich war. Verlaufen kann man sich eigentlich nicht. Man muss einfach auf den Kamm hochsteigen. Allerdings könnte es an anderen Stellen schwieriger sein. Wir waren recht zeitig, kurz vor zwei, auf dem Gipfel, der, wie wir, einen Massenansturm vom Normalweg her ertragen musste. Wenigstens kamen wir so beide aufs Gipfelfoto. Die Picknickpause mit ausgestreckten Beinen in der herrlichen Sonne tat unseren müden Gliedern gut. Die heraufziehenden Nebelschwaden, die in den Bergen gefährlich werden können, erwiesen sich als harmlos, denn sie lösten sich am Gipfelgrat wieder auf.


Die Mola de s'Esclop vom Weg zum Galatzó-Gipfel aus gesehen


Auf dem Gipfel des Galatzós

Doch nun folgte ein langer Abstieg. Zunächst die Galatzó-Normalroute nach Norden hinunter bis zum rechten Abzweig zur Font (Quelle) des Pi, von wo aus die Massen gestartet waren. Auch hier ist leichte Kletterei angesagt, dennoch für manche so schwer, dass sie (beim Aufstieg) das Handtuch werfen. Weiter geht’s auf steinigem Weg, der sich für meine Begriffe sehr hinzog, zum Pas de na Sabatera. Nun zweigten wir, immer noch auf markiertem Wanderweg, rechts ab. Doch nach gut einem Kilometer mussten wir aufpassen, dass wir den Weg zur Quelle Font de Dalt nicht verfehlen. An einem Weg zeigten Steinmännchen nach rechts, aber es gab keinen Wegweiser, obwohl die Quelle am Pas de na Sabatera ausgeschildert war.Der Sache trauten wir nicht. Einige Meter weiter, das Schild. Gut, dass wir nicht schon vorher abgebogen waren, dachten wir. Aber dieser Weg verlor sich. Ob die Steinmännchen doch recht hatten? Wir stiegen rechts hoch, und siehe da, der Steinmännchenweg tauchte auf und machte den Eindruck, der richtige zu sein. Aber sicher waren wir uns nicht. Die Quelle konnte nicht mehr weit weg sein. Also würden wir ja bald merken, was Sache ist. Es wurde feuchter in diesem Nordhang. Das steigerte in uns die Hoffnung, Wasser zu finden. Und da, plötzlich die Quelle mit einem langen Trog voll Wasser. Welch eine Erleichterung in doppelter Hinsicht! Flasche hingehalten und dann erst mal getrunken, wieder und immer wieder, gegen den vorhandenen Durst und gegen den, der noch kommt, denn unsere Flaschenfüllung (drei Liter) musste noch den ganzen nächsten Tag reichen. Ich hatte zwar noch einen Ortlieb-Wassersack dabei, aber den wollte ich wegen des Gewichts nur im äußersten Notfall verwenden. Es war schon halb sechs, es kühlte sich bereits ab, so dass wir daon ausgingen, heute nicht mehr viel trinken zu müssen. Doch wir hatten noch ein ordentliches Wegstück vor uns, denn wir wollten ja noch die Serra des Puntals besteigen.


Font de Dalt


Biwak am Fuße der Serra des Puntals

Forschen Schrittes marschierten wir los. Ein schöner Pfad mit weichem Boden in dichtem Wald überraschte uns. Herrlich! Wir fühlten uns fast wie zu Hause im Pfälzerwald. So schöne Wege gibt es also auf Mallorca. Nur kaum einer kennt sie. Auch ich kannte ihn noch nicht. Bis auf ganz wenige Ausnahmen war ich alle Wege vorgewandert. Diesen jedoch nicht. Selbstredend, dass uns hier kein Mensch begegnete. Später verbreiterte sich der Pfad zu einem Fahrweg. Den Pfad aber, der linkerhand zur Serra des Puntals abzweigt, kannte ich. Ich wusste, dass er mit Steinmännchen und roter Farbe markiert ist. Also nach dem Coll d'Estellencs einfach nur aufpassen. Das klappte. Ein schöner, teils mit viel Dissgras gesäumter Pfad führte uns zum Fuße der Serra. Aber das i-Tüpfelchen des heutigen Tages war für uns noch der Aufstieg, um auf der Hochebene zu übernachten. Doch das ging gewaltig in die Hose. Ein schwieriges Kletterstück ist beim Aufstieg zu überwinden. Doch ich fand den Einstieg nicht. An einem großen umgestürzten Baum machten wir halt. Bei meiner Vortour vor zwei Jahren bin ich an diesem Baum nicht vorbeigekommen, da war ich mir sicher. Also musste die Einstiegsstelle davor sein. Wir suchten und suchten, vergebens. Die Suche war auch deshalb so schwierig, weil man nicht direkt am Fuß des Felsriegels entlanggehen kann, sondern nur weiter unten. Um also eine Stelle zu erkunden, mussten wir jedes Mal erst etwa 20 bis 30 Hm einen steilen erdenen Hang hinaufsteigen.

Umkehren? Bereits am zweiten Tag schlug unser Unternehmen fehl, hätte ich berichten müssen. Undenkbar! Umkehren hätten wir sowieso erst am nächsten Tag gekonnt. Also schlugen wir unser Biwak auf einer Sitja auf. Eigentlich hätte ich todmüde sein müssen. Aber offenbar war mein Adrenalinspiegel derart gestiegen, dass ich keine Ruhe fand, keinen Hunger hatte und einfach weitersuchen musste. Rauf und runter (Das hat sich auch in der Anzahl der Höhenmeter in meiner obigen Tabelle niedergeschlagen). Kein Erfolg! An einer Mauer, die an dem Felsriegel abschloss, kletterte ich hoch. Immer weiter, bis ich, eigentlich ungewollt, auf dem Gipfel der Puntals de Planicia (893 m) stand. Von da kommt man allerdings nicht weiter. Unüberwindbare Tiefen mit steilen Felsen liegen dazwischen. Aber ich konnte dank des Überblicks von diesem Gipfel leicht erkennen, dass der Einstieg zur Hochebene viel weiter vorne sein muss. Der Baum, schoss es mir durch den Kopf. Vielleicht ist der erst nach meiner Vortour umgestürzt. An dem müssen wir vorbeigehen und weitersuchen, das ist unsere letzte Chance! Mit diesem Gedanken schloss ich die Suche ab, kehrte zu Gerd zurück und berichtete ihm. Wir legten uns schlafen.

3. Wandertag

Serra des Puntals – Puig de sa Mola de Planicia -Esporles

Wieder hatte ich eine sehr unruhige Nacht. Unzählige Male musste ich hochrobben, weil ich samt Matratze runtergerutscht war. Auf dem Foto oben rechts, das ich am Morgen schoss, erkennt man schön die weggerutschte Matratze. Frühstück wie gestern, und los ging's. Die Hoffnung, nun doch den Einstieg zu finden, beflügelte uns. Vorbei an dem verwunschenen Baum, und siehe da, Steinmännchen führten uns hoch zum Fels. Noch überraschender war, rote Pfeile vorzufinden. Das ist der Einstieg, jubelte ich. Wir kletterten hoch, wobei die größte Schwierigkeit unsere großen Rucksäcke waren. Ständig blieb man irgendwo hängen. Die Kletterstelle war ganz schön hoch, aber endlich kamen wir erleichtert auf der Serra an.


Aufstieg zur Serra des Puntals


Blick von der Serra auf den Puig
de Galatzó (links) und die Mola de
s'Esclop

Jedoch, das war nicht „mein“ Einstieg. Die Stelle, die ich erkundet hatte, war eine andere. Sie erforderte nur eine kurze Kletterei, war aber aufgrund eines in die zu passierende Spalte gerutschten riesigen Felsbrockens viel gefährlicher. Ich stand vor einem Rätsel. Hatte man vielleicht die Steinmännchen hier entfernt und die andere Einstiegsmöglichkeit markiert? Hatten wir deshalb die Stelle nicht gefunden? Das zu enträtseln hatten wir weder Zeit noch Lust. Wir waren oben und es konnte weitergehen. Das war die Hauptsache. Wunderbare Fernblicke boten sich uns. Eine mystische Landschaft im lichten Steineichenwald, wie man sie auch an anderen Stellen Mallorcas fernab vom Wandertouristenrummel vorfindet, empfing uns. Wir entdeckten gleich drei Sitjas dicht beieinander (siehe Foto unten links). Da war es kein Wunder, hier auch einen alten Saumpfad bzw. Karrenweg zu entdecken. Diesem folgten wir, soweit er noch zu erkennen war. Wenn wir ihn verloren hatten, tauchte er bald danach wieder auf.

Ich sagte zu Gerd: „Heute Nacht schlafe ich im Hotel“, denn wir wollten ja Esporles erreichen. Nicht noch eine dritte Nacht im Biwak, außer wir würden überhaupt kein Bett mehr finden. Da Gerd ebenso dachte, rief ich noch von hier aus das Hostal de Esporles an. Aber leider, nichts mehr frei. Wir hätten einen Tag früher anrufen sollen. Aber das ist so eine Sache, wenn man solche Wege geht. Man kann nur schwer abschätzen, wie weit man kommt. Nun, wir waren uns einig, ein Hotel zu suchen, egal was es kostet.

Am Ende der Serra stießen wir auf einen Querweg, den ich eigentlich hatte links gehen wollen. Aber irrtümlicherweise schlug ich den Weg nach rechts ein. Gleich danach an der nächsten Gabelung gingen wir links. So kamen wir statt an der linken an der rechten Seite des Puig de sa Mola de Planicia (941 m) heraus, was mich sehr wunderte, da ich meinen Fehler gar nicht bemerkt hatte. Als wir den Steinhaufen namens Gipfel erblickten, stiegen wir auf und genossen unsere Mittagsrast in der herrlichen Sonne. Nun wollte ich Gerd noch die winzige Schutzhütte zeigen. Aber zunächst fanden wir sie nicht und irrten umher, auch weil Wolken aufzogen und unsere Sicht behinderten. Endlich tauchte sie auf. Nun galt es noch, den Weiterweg zu finden. Wir suchten und wussten schließlich gar nicht mehr, wo wir uns genau befanden und in welche Richtung wir zu gehen hatten. Der Kompass sollte mir dabei helfen, aber mit der angezeigten Himmelsrichtung kam ich überhaupt nicht klar. Was war denn da los? Sicherlich hatte ich keinen klaren Kopf mehr nach den Anstrengungen und den fast schlaflosen Nächten. Und garantiert zu wenig getrunken. Auch sind wir mit 69 und 71 Jahren nicht mehr die Jüngsten. Da hinterlassen solche Strapazen tiefere Spuren.

Mir fiel ein, dass ich beim Hantieren mit dem Kompass die Stöcke noch nahe bei mir hatte. Dadurch wurde die Nadel natürlich abgelenkt. Oh Gott, wenn das so weitergeht! Um es vorweg zu nehmen: Bis auf den letzten Tag klappte nun alles weitgehendst. Uns war klar, wenn wir heute noch Esporles erreichen wollen, dürfen wir uns keinen Fehler mehr erlauben, sonst droht die 3. Biwaknacht, und das ohne genügend Wasser.


Kohlenmeilerplätze (Sitjas) auf der Hochebene der Serra


Mittagsrast auf dem Puig de sa Mola

Wir erreichten den Abzweig nach Osten. Um sicher zu gehen, ließen wir uns von GPS-Gerät und Kompass die Richtigkeit des Weges bestätigen. Die Grundrichtung war nun Nordost. Ein schöner und auch eindeutiger Pfad mit Steinmännchen führte uns durch Steineichen- und Kiefernwälder. Nun sind wir einfach, ohne auf die Karte zu schauen, diesen Weg hinuntergegangen und auf dem GR 221 gelandet. Der Weg bis Esporles kam uns wesentlich länger vor als er ist. Da er im Ort direkt an dem besagten Hostal vorbeiführt, beschlossen wir, nochmals nachzufragen und den englisch sprechenden Mann zu bitten, telefonisch für uns ein Hotel zu suchen. Tatsächlich, es gab noch ein freies Zimmer im Hotel Son Galceran, leider etwas außerhalb nicht in unserer Richtung, sondern auf der PM 104 Richtung Palma. Ein schönes Anwesen, weg von der Straße in einem großen Garten. Die Dame an der Rezeption, offenbar die Chefin, gab uns einen Preisnachlass. Es kostete „nur“ noch 180 € mit Frühstück.

Zu Abend essen wollten wir nicht so vornehm teuer. Also bissen wir in den sauren Apfel, nochmals in den Ort zurückgehen zu müssen. Nach einigen Metern sahen wir eine Bar. Da bekommen wir bestimmt auch etwas zu essen, überlegten wir. Wir gingen hinein. Na ja, es sah nicht gerade sehr freundlich aus. Aber das war uns egal. Eine alte Frau informierte uns, was es zu essen gibt. Wir nickten nur, ohne etwas verstanden zu haben und orderten Bier. Groß war die Überraschung, als eine gut aussehende reichliche kalte Platte serviert wurde. Auch egal, der Mensch braucht nicht unbedingt etwas Warmes. Es schmeckte phantastisch. Das war bestimmt alles Hausmacher. Für jeden eine Scheibe roten Schwartenmagen (oder so was ähnliches), eine Leberwurst, eine Sobrasada (mallorquinische Mettwurst-Spezialität), Schinken und Käse mit Brot. Es war sättigend. Doch dann kam der zweite Gang: für jeden drei Scheiben (Schnitzel)Fleisch und ein Spiegelei. Zusammen mit 3 Bier kostete es trece Euro. Eigentlich wusste ich, dass trece dreizehn heißt. Aber meine Preisschätzung war so weit von dieser Zahl entfernt, dass ich es nicht wahrhaben wollte und an dreißig dachte. So preiswert kann Mallorca sein.

Nach ausgedehnten Dusch-Aktionen fielen wir ins Bett und schliefen wie die Murmeltiere.

4. Wandertag

Esporles – Coll de sa Basseta – sa Comuna – Valldemossa – Refugi de Son Moragues

Wie neu geboren fühlten wir uns am nächsten Tag. Am feinen Frühstücksbuffet stärkten wir uns reichlich für den Tag. Es gab sogar frisch gepressten Orangensaft. Noch etwas erfreuliches: Die heutige Tour wird die leichteste aller bisherigen werden.

Bei dieser Etappe wanderten wir ausschließlich auf dem GR 221. Eine Alternative hatte ich nicht gefunden. Hier spielt sich einer der mallorquinischen „Wanderwege-Witze“ ab. Bitte beachten: Es handelt sich um den offiziellen von der Regierung geschaffenen Weitwanderweg GR 221. Er ist innerhalb von Esporles bestens ausgeschildert. Auch außerhalb bis zum Coll de sa Basseta gibt es noch Schilder. Das am Coll zeigt nur die Richtung nach Esporles. Man kann gut erkennen, dass der Wegweiser in die Gegenrichtung entfernt wurde. Offenbar hat der Eigentümer dieses Geländes nicht erlaubt, dass ein Schild den Weg über sein Terrain weist. Doch es kommt noch dicker. Weiter oberhalb des Passes ist der Weg gesperrt mittels Grenzmauer und Zaun, allerdings schon seit Jahren. Aber wie wir hörten und im Internet nachlesen konnten, wurde der Zaun verbessert, und am anderen Ende dieses Grundstückes ein neuer Zaun errichtet. Man soll diese Hindernisse jedoch überwinden können.


Zistrosen am Weg


Überdachtes Wasserbecken (Aljub) auf der Pla (Ebene) de sa Mola mit Brunnen

Wegen der Zäune machten wir uns keine großen Gedanken. Jedoch gab es eine unbeantwortete Frage bezüglich der nächsten Übernachtung. Bekommen wir in Valldemossa ein Zimmer? Aber das konnten wir auch ruhig auf uns zukommen lassen, denn mit dem Refugi des Cairats unterhalb des Puig des Teix hatten wir eine Biwakierungsmöglichkeit. Die Hütte ist zwar geschlossen, hat aber einen überdachten Vorplatz. Und vor allem: Es gibt die Quelle Font des Polls in der Nähe.

So zogen wir also frohgemut los. Lange muss man auf einer asphaltierten Straße gehen. Das ist nicht schön, aber die Landschaft und die blühenden Sträucher am Wegesrand entschädigen. Im Westen erhebt sich die Mola de Planicia, weiter links die Serra des Puntals und der Galatzò. Ein Schild an einem Tor informierte uns, dass man sich auf dem Terrain von Son Cabaspre befindet. Wir zweigten nach rechts ab in den Cami de sa Font des Bosc. Vorbei am vorerwähnten Coll de sa Basseta erreichten wir, geführt von Steinmännchen und roten Punkten, die besagte Grenze. Mauer und Zaun konnten wir tatsächlich recht einfach übertsteigen. Die Wegführung war nicht immer eindeutig, sodass wir aufpassen mussten. Einmal verliefen wir uns, weil wir uns auf falsche Steinmännchen verlassen hatten.

Eine kleine Anekdote am Rande: Wir wurden von einem jungen Spanier überholt. Da fiel mir ein, dass das Championsleage-Halbfinalrückspiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Barçelona bereits stattgefunden hatte. 4 : 0 endete das Spiel, teilte uns der Spanier mit. Wie schade, 3 : 0 zu Hause gewonnen reichte also für die Bayern nicht. Ausgeschieden! „No, no!“ Bayern hatte gewonnen. Der Mann gratulierte mir zum Sieg. Ich wollte wissen, ob er Katalane ist. Er ist. Umso bitterer für ihn.

Wir gelangten auf die Hochebene Mola de Son Pacs, leicht zu erkennen an dem nun ebenen Gelände. Hier muss man aufpassen, damit man den völlig unmarkierten Linksabzweig nicht verfehlt. Der Spanier hatte ihn zunächst verpasst, denn er überholte uns später ein zweites Mal. Zwei alte Aljubs (überdachte Wasserbecken) liegen links am Weg. Der eine mit einem immer noch völlig intakten Ziehbrunnen, was Gerd ausprobiert hatte. Wir kamen über wunderschöne Pfade am anderen Ende des Grundstückes an. Da ist er also, der neue Zaun, der kein Hindernis mehr darstellt. Was für wahnsinnige, durch Wandervolkes Zorn mobilisierte Kräfte müssen da gewirkt haben, um das stabile Eisenrohr am Zaunende vor den Felsen fast um 90° herunterzudrücken.

Vom Coll de Sant Jordi stiegen wir teils steil in Serpentinen hinauf auf die sa Communa (704 m), wobei sich schöne Blicke in die Ebene vor Valldemossa boten. Auch eine Vogelfangstelle liegt am Wegesrand. Ob die Vogelfänger wohl immer noch aktiv sind? Ich fürchte ja. Auf wunderschönen Wegen ging's dann hinunter nach Valldemossa, wo wir in der Carrer Uruguay herauskamen, die direkt zur Kartause führt.


Vogelfangstelle am Aufstieg auf
die sa Comuna


Luxusbiwak“ an der Serra de Son Moragues

Obwohl wir wenig Hoffnung hatten, ein Zimmer zu finden, versuchten wir es. Der junge Mann in der Tourist-Info war wenig gewillt uns zu helfen. Nur einen Stadtplan mit Hotelverzeichnis, den wir auch noch bezahlen mussten, konnten wir erstehen. Tourismushochburg pur! Im Hotel es Paris wurde unsere Zimmernachfrage fast als Scherz angesehen. Wenigstens war der Mann so nett, ein anderes Hotel anzurufen. Fehlanzeige!

Was soll's? Auf zur nächsten Biwaknacht! Einkauf im Supermarkt und Abendessen im Restaurant und auf ging's. Eigentlich hatte ich wunderschöne Wege über die Serra de Son Moragues ausgewählt, aber der innere Schweinehund befahl uns, den kürzesten Weg durch das Tal westlich der Serra zu nehmen. Ein breiter Fahrweg, aber im Gelände dieser öffentlichen Finca gibt es erklärende Tafeln zu den Sitjas und Kalköfen, die man hier natürlich auch vorfindet. Zunächst erreichten wir die Quelle Font des Polls. Das Wasser fließt aus einem Brunnenschacht in einer Rinne. In diese legte ich meine Errungenschaften, um das Biwakieren etwas luxuriöser zu gestalten: Zwei Dosen Bier. Noch ein steiles Stück, und wir erreichten die Hütte, die in Refugi de Son Moragues umgetauft wurde. Wir richteten uns unter dem Dach ein und aßen unser Mitgebrachtes, nachdem ich mich nochmals dem Weg zur Quelle zu unterziehen hatte. Ein wunderschöner Sonnenuntergang ließ die Felsen der Serra in tiefrotem Licht erstrahlen. Leider störte wieder dieser Vogel mit seinem durchdringenden unermüdlichen Ruf unsere Nachtruhe erheblich.


5. Wandertag

Refugi de Son Moragues – Puig des Teix – Puig des Vent – sa Galera –
Torrent de Cinc Ponts - Sóller

Dies war der Tag der verbotenen Wege. Der ganze Puig des Teix und ,soweit mir bekannt, auch der Puig des Vent, sind gesperrt. Begründet wird dies mit intensiver Ziegenjagd. Nun gibt es mittlerweile tatsächlich viel zu viele wilde Ziegen, sodass auch die Naturschutzvereine für eine stärkere Bejagung eintreten. Da mittlerweile das Gehörn des Ziegenbocks als internationale Trophäe anerkannt wurde, dürfte die Dezimierung der Tiere gelingen. Werbung wird jedenfalls betrieben, sogar in den USA, wie man hört. Jagdsaison ist im Winter. Man bräuchte also die Berge nicht das ganze Jahr über zu sperren. Da steckt ein anderer Grund dahinter. Der Eigentümer vom Teix hat u.a. Angst, dass seine Berghütte, die Casetes del Rei en Jaume, abbrennt. Das wäre wirklich ein kultureller Verlust, denn die alte königliche Jagdhütte birgt wertvolle Freskomalereien. Daran Schuld sind die Einheimischen, denn sie lieben es, übers Wochenende in den Bergen zu campieren und Feuer zu machen. Ich hatte selbst einmal gesehen, dass eine Feuerstelle, die noch voller Glut war, einfach zurückgelassen wurde. Aber auch unvernünftige Wandertouristen tragen dazu bei. Weggeworfene Glasabfälle können auch ein Feuer entfachen. Auch die Zunahme des Wandertourismus' spielt eine Rolle. Kaum ein Fincabesitzer wird etwas dagegen haben, wenn ab und zu mal ein Wanderer vorbeikommt. Wenn aber Heerscharen vorbeiziehen... Jedes Ding hat eben zwei Seiten. Deshalb muss man auch die Seite der Eigentümer sehen. Dennoch ist es für die Wanderer ein Jammer, immer mehr eingeschränkt zu werden.

Nach dem üblichen kargen Biwak-Frühstück brachen wir zeitig auf. Der „Normalweg“ zum Puig des Teix ist nicht mehr begehbar, da an der Schlüsselstelle die Leiter über eine Mauer mit Platten abgedeckt wurde. Wir aber nahmen den Cami des Caragol unter die Füße, der über die Serra de Son Moragues führt. Zunächst mussten wir wieder runter zur Quelle, da dort dieser Cami abbiegt. Aber das hätten wir sowieso gemusst, um unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Zunächst ging's auf einem aufgelassenen Fahrweg hoch, bis wir auf den Weg längs über die Serra stießen. Wir bogen links ab und erreichten bald die Mauer mit niedergetretenem Zaun und Verbotsschildern, sowie den Gipfelaufbau. Die Steinmännchen führten uns steil hinauf, teils auf Trampelpfad, teils weglos. Schon um 10 Uhr standen wir auf dem Gipfel (1.064 m). Das erhöhte unsere Zuversicht, Sóller heute noch zu erreichen. Wir genossen nur kurz die Rundumsicht. Von unserem nächsten Ziel, dem Puig des Vent, trennte uns nur eine sanfte Senke. Wir stiegen nach Norden ab und sahen wegversperrende Zäune. Aber wir fanden eine Stelle, wo wir sie umgehen konnten. Über leicht ansteigendes Grasland erreichten wir bald auf Trampelpfaden den Gipel (1.005 m). Sogleich steuerten wir unser nächstes Ziel, die sa Galera, an. Nun wurde es steiniger und schwieriger, den Weg zu finden. Aber auch hier halfen wieder Steinmännchen. Man geht Richtung Nordnordost. Kurz vor der sa Galera biegt der Weg nach links ab. Nachdem man bisher nur leicht abgestiegen war, steigt das Gelände nun wieder leicht an. Man muss auf die Richtung Nordwest achten, denn Steinmännchen führen auch nach Süden zum Pas de Can Boqueta, auf dem man durch steile Geröllfelder die Steilwände überwinden kann, um nach Deijà zu gelangen.


Die Bucht von Dejà, von der
sa Galera aus gesehen


Die Felshalbinsel sa Foradada, von
der sa Galera aus gesehen

Über Felsbrocken und Gestrüpp erreichten wir den Gipfel (908 m). Bei mir machten sich erhebliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar, weshalb wir einen Ruhetag in Sóller vereinbarten. Natürlich stellte sich wieder die bange Frage, ob wir ein Quartier bekommen. Nach einer kurzen Picknickpause brachen wir auf in Richtung Nordnordost zu dem Sattel südlich vom Puig des Moro, von dem links ein Weg abzweigt, der nach Dejà und Richtung Refugi de Muleta und zum Puig des Moro führt. In diesem steilen unwegsamen Gelände galt es, die Augen aufzumachen, um sich nicht zu verlaufen. An dem vorerwähnten Sattel mussten wir uns entscheiden, ob wir noch den Puig des Moro überschreiten oder direkt durch den Torrent des Cinc Ponts (Fünfbrücken-Schlucht) nach Sóller absteigen sollten. Diesen Berg hatte ich im Februar dieses Jahres von zwei Seiten her bestiegen. Ich kannte also die schwierige Wegführung und wusste, dass es auch mit Kletterei verbunden ist. Jedenfalls hätte es uns einige Zeit gekostet. Wir verzichteten daher auf diesen Bergrücken. Natürlich schade, dass wir somit einen Gipfel weniger auf dem Konto hatten Aber damit konnten wir leben.

Wir bogen also rechts ab in den wilden einsamen Torrent. Eine sagenhafte Urlandschaft erwartete uns. Nur der Saumpfad, auf den wir stießen, erinnerte an Zivilisation. Dieser führt links am Puig des Moro vorbei und rechts am rechten Rand des Torrents hinunter. Nun konnten wir recht bequem weitergehen und die Landschaft genießen. Den ganzen Tag war uns kein Mensch begegnet. Doch ausgerechnet hier hörten wir plötzlich lautes Stimmengewirr. Eine Gruppe Spanier kam vom Coll de Sóller herauf. Dieser Weg biegt weiter unten rechts ab, während wir den linken Weg nahmen. Nun hieß es aufpassen, denn es geht auf einem leicht übersehbaren Pfad, der rechts von dem breiten Weg abzweigt, weiter. Aber ein Steinmännchen ist behilflich. Der Weg führt nun in die Talsohle hinab. Nun erwartete uns die Stelle mit Mauer und Zaun, die man bisher leicht übersteigen konnte. Aber es kursierte ein Gerücht, dass dies nicht mehr möglich sei. Wir waren also gespannt.


Im Torrent des Cinc Ponts (5 Brücken)


Verbotsschilder im Torrent de
Cinc Ponts

In einem Engpass dann die Mauer und der Zaun, hoch, unüberwindbar. Was nun, zurück? Laut Karte hatten wir die Chance, in einem großen Rechtsbogen diese Stelle zu umgehen. Dazu müssten wir nur bis zu dem breiten Weg zurück, den wir nach rechts verlassen hatten. Aber wir brauchten nicht lange zu suchen. Linkerhand, weiter oben führte sogar ein Steinmännchen zur Mauer, die hier nicht mehr mit einem Zaun versehen war, und ein großer Stein war dicht an die Mauer befördert worden, damit man besser drüber klettern kann. Das war sicherlich die Tat einheimischer Wanderer, die den Gästen helfen, den Zäuneziehern ein Schnippchen zu schlagen. Dann gelangten wir an das mir bereits bekannte Tor, das auf der Gegenseite Verbotsschilder aufweist, aber dennoch einen Überstieg besitzt. Auf Betonweg ging's nun hinunter zum Cami de Rocafort, den wir rechts nach Sóller hinunter einschlugen. Die Kirche Sant Bartomeu dient zunächst als Wegweiser. Dann muss man von der Tankstelle aus nach Osten durch enge Gassen wandern. Wenn man die Straßenbahnschienen erreicht hat, braucht man nur diesen nach Süden zu folgen und landet am Bahnhof mit der Touristoffice in einem Straßenbahnwagen.

Wir fanden für die erste Nacht eine Bleibe im Hotel Guia ganz in der Nähe vom Bahnhof. Das altehrwürdige Gemäuer strahlte eine gediegene Atmosphäre aus, die von korrekten vornehmen Obern noch unterstrichen wurde. Ich kam mir vor wie in Old England. Am Ruhetag wechselten wir ins preiswertere Hostal Vidal weiter nördlich in der Nähe von Markthalle und Straßenbahnlinie.


6. Wandertag

Sóller – Puig d'Alfabià – Schutzhütte am Cornador Gran

Ein dem Preis entsprechendes Frühstück zwang mich, Marmelade zu essen, um satt zu werden. Was soll's? Noch vor 9:00 Uhr brachen wir auf, denn wir hatten eine Etappe mit vielen Unwägsamkeiten vor uns. Hinter der Kirche muss man links, rechts und dem Schild "Cimeteria" folgend durch enge Gassen gehen, um zum Friedhof zu gelangen. Am Ende der Friedhofsmauer, wo die Straße halblinks abbiegt, geht man, von Steinmännchen geleitet, geradeaus weiter auf einen wunderschönen Saumpfad, der später weniger ausgeprägt ist und teils durch viel Dissgras führt. Manchmal mussten wir die Steinmännchen suchen, wobei wir uns trennten, um schneller fündig zu werden. Dies birgt jedoch ein Risiko. Falls man keine Steinmännchen findet, läuft man auch Gefahr, die Stelle, an der man noch auf dem richtigen Weg war, nicht wiederzufinden. An dem Felsgipfel es Castellot machten wir eine kurze Pause. Mönchsgeier kreisten über uns.


Lilie an einer Felswand


Affodill mit Puig Major

Nun gelangt man bald auf eine unbewaldete Hochfläche und sieht den Antennenwald der Serra d'Alfabia vor sich. Das eingezäunte Gelände mit dem Haus sa Serra umgeht man links. Das letzte Mal bin ich auf dem Fahrweg wenige Meter links gegangen, um dann in der Schneise hochzusteigen. Dieses Mal sind wir früher hoch, direkt auf das Windrad bei den Antennen zu. Viel Stachelpolster und niedriges Dickicht erschweren den Aufstieg. Der Zaun beim Windrad ist niedrig genug, um drübersteigen zu können. Wir hielten uns links und stiegen hinunter bis zu einem Fahrweg, in den wir nach links einschwenkten. Hier kann man's richtig laufen lassen. Der Zaun an diesem Weg zur Linken endet an einem Mauerdurchlass. Der Weg wird bald zum Pfad und steigt auf und ab. Hatten wir die Steinmännchen zum Gipfel Puig d'Alfàbia (1.067 m) mit der Säule übersehen oder führen sie dran vorbei zum nächsten Gipfel, der zwei Meter höher ist? Wir standen auf 1.069 m, wie mein GPS-Gerät verriet. Für uns war dies auf jeden Fall der wahre Gipfel.


Blick von der Serra d'Alfàbia auf
Sóller und Port de Sóller


Blick von der Serra d'Alfàbia auf (von rechts) Puig de l'Ofre, Cúber-Stausee, Puig de ses Vinyes und Puig Major

Der Weiterweg ist zunächst noch mit Steinmännchen versehen. Aber Achtung! Diese biegen nach rechts ab Richtung Osten und führen hinunter nach Orient und/oder zum Puig des Coll des Jou. Man darf sich also keinesfalls zu weit rechts halten. Selbst wenn man merkt, dass man falsch nach rechts gegangen ist, muss man nicht umkehren, sondern kann einfach nach links schwenken. Zu weit links geht nicht, denn da ist die Abbruchkante. Das Gelände ist ziemlich flach aber weglos und von Felsen übersäht, über die man steigen muss. Vorbei an der Serra d'Alfàbia Nord geht's in einem leichten Linksbogen zum Puig des Sementer Gran, den man links umgeht. Man kommt dicht an die Abbruchkante heran. Hier bieten sich schöne Blicke zurück auf die Steilwand und zur Serra mit den Antennen. Nun erschien wieder ein Pfad, den wir hinunter- und auf der anderen Seite zur Schutzhütte wieder aufstiegen. Es ist eine primitive Hütte mit defektem Dach und ohne jegliches Inventar. Immerhin war sie recht sauber. Die Regierung tut einiges, um den Wandertourismus zu fördern. Aber für Streckenwanderer wie wir hat sie offenbar kein Geld.


Blick zurück auf die Steilwand und (rechts dahinter) die Serra d'Alfàbia Sud mit den Antennen


Blick auf den Puig de s'Alcadena
(links) und den Puig d'Alaró

Wir breiteten uns auf dem Boden aus. Dann stiegen wir noch hinauf zum Gipfel des Cornador Gran (958 m) und hinunter zum Mirador Xim Quesada, der über einer imposanten Felswand thront. Von Sóller aus betrachtet wirkt dieser senkrechte Felsklotz besonders gigantisch. Nachdem wir die phantastische Aussicht auf Sóller und in den wilden Torrent de Biniaraix genossen hatten, liefen wir wieder zur Hütte, um unser "Luxusabendessen" zu uns zu nehmen und lange die Abendsonne zu genießen. Und wieder ist uns den ganzen Tag kein Mensch begegnet.

7. Wandertag

Cornador Gran – Puig de l'Ofre – na Franquesa – sa Rateta – Refugi Tossals Verds

Diese Einsamkeit wird uns an diesem Tag garantiert nicht gegönnt sein, denn der Barranc de Biniaraix und der Puig de l'Ofre sind stark frequentierte Ziele. Selbst die Nachbargipfel sa Franquesa und sa Rateta, die noch vor einigen Jahren ein Geheimtipp waren, werden heute zusammen mit dem Puig de l'Ofre im Dreitausender-Paket als geführte Tour angeboten. Die gestrige und heutige Tour konnte ich nur so planen, weil der Bach im Torrent de Biniaraix immer Wasser führt.


Beim Abstieg von der Hütte beim Cornador Gran Blick nach Nordosten


Blick in den Torrent de Biniaraix –
im Hintergrund Fornalutx

Der erhoffte klare Sonnenaufgang ist uns leider versagt geblieben. Es war windig und Schleierwolken verdeckten die Sonne. Wir stiegen ohne Frühstück ab und füllten beim Salt (Wasserfall) des Cans unsere Flaschen, nachdem wir das restliche Wasser getrunken hatten. Da sich oberhalb das Weideland der Finca l'Ofre befindet, gaben wir sicherheitshalber pro Flasche eine Mikropur-Tablette hinzu, die nach ca. einer Stunde wirkt. Nach dem Frühstück suchten wir eine geeignete Stelle, um den Bach trockenen Fußes überqueren zu können. Den Hang hinauf und wir befanden uns auf dem GR 221, dem wir bis zum Coll de l'Ofre folgten. Kurz vor dem Coll zweigt rechts unser breiter Weg ab, der zum Coll d'en Poma führt. Hier beginnt der ziemlich steile und dennoch recht einfache Aufstieg. Kurz vor dem Gipfel liegt rechterhand ein großer Felsbrocken. Vor diesem zweigt unser Weiterweg nach rechts ab. Noch ein kurzer Sprung von hier und wir standen auf dem Gipfel und genossen die Aussicht. Siehe Foto!




Torrent de Biniaraix


Refugi Tossals Verds

Wieder hinunter zu unserem Felsen und links ab zu unserem nächsten Tausender. Hier begegneten uns einige Wanderer, die die einfachere Route von Norden her über den Coll des Cards genommen hatten. Ab diesem Coll ging es steil und weglos, aber mit Steinmännchen markiert, hinauf zur na Franquesa (1.067 m). In einem Linksbogen gelangten wir sodann zum Coll des Gats und fast in der Direttissima zum dritten Tausender sa Rateta (1.113 m). In südlicher Richtung stiegen wir über schwach abfallendes felsiges Gelände hinunter. Wir hatten etwas Orientierungsschwierigkeiten, stießen dann aber doch auf das am Weg liegende Schneehaus. Von da ab gibt es einen alten Saumpfad, dem wir folgten. Er ist teils noch erstaunlich gut erhalten. Der erste Rechtsabzweig war nicht der unsere, aber den nächsten mussten wir nehmen, um nicht zum Cúber-Stausee aufzusteigen. Das Gelände ist unübersichtlich, der Weg ziemlich zugewachsen. An irgendeiner Stelle hatten wir uns verlaufen, denn es gab weder Weg noch Steinmännchen. Wir schlugen uns durch nach der Devise: einfach runter und wir landen automatisch im Torrent d'Almadra. Doch dann standen wir vor einem Trockenbachbett(?) mit steilen sandigen Wänden, die wir nicht überwinden konnten. Doch siehe da, plötzlich tauchten wieder Steinmännchen auf und führten uns hinüber und dann hinunter in den Torrent. Mein Plan war, diesen zu durchqueren um auf den Weg von der Quelle Font des Naguer zum Refugi Tossals Verds zu gelangen. Doch das ist ein sehr steiles, rutschiges und natürlich wegloses Stück hinunter und wieder hinauf.

So zogen wir es vor, den "Tunnelweg" zu gehen, den man auch an einigen Stellen auf einem sehr schönen teils ausgesetzten Pfad an der alten Wasserrinne umgehen kann. „Tunnelweg“ ist natürlich kein offizieller Name, aber bei Wanderern eine gebräuchliche Bezeichnung. Der Weg verläuft im Torrent d'Almadra, entlang der Wasserleitung vom Cùber-Stausee zum Pumpwerk bei Lloseta (Canonada d'Emaya). Übrigens, die Besitzes des zu durchquerenden Terrains verlangen seit einiger Zeit keine Maut mehr. Am Querweg gingen wir links in leicht abfallendem Gelände hinunter zum Torrent und dann auf der Asphaltstraße mit einigen Abkürzungen zum Refugi hoch. Das war in der immer noch heißen Abendsonne ein letztes hartes Stück "Arbeit". Wie erwartet, war in der Hütte kein Platz mehr frei. Zu essen gibt's für Nichtangemeldete auch nur Pa amb Oli , mit dem wir gerne vorlieb nahmen. Die Hauptsache, wir hatten Wasser und Bier und einen Schlafplatz auf dem überdachten Barbecue-Platz, wo wir auf einer langen breiten Sitzbank unsere Schlafstätte herrichteten.

8. Wandertag

Refugi Tossals Verds - Font des Prat - Puig de Massanella -
Coll de sa Batalla - Santuari de Lluc


Wegweiser am Refugi Tossals Verds


Aufstieg zum Puig de Massanella

Wir hatten gut geschlafen und zum Unmut von Franzosen, die auch auch unter dem Dach übernachteten, zu laut geschnarcht. Nach dem "Marmelade-Frühstück" brachen wir zeitig auf und folgten zunächst dem GR 221 Richtung Kloster Lluc auf wiederum wunderschönem Weg. Als wir das Wassr im Torrent des Prat rauschen hörten, sahen wir auch die alte Wasserleitung Canelata de Massanella, die man wegen Baufälligkeit und damit verbundener Absturzgefahr nicht mehr begehen darf. Kurz danach bogen wir nach rechts in den Camellar des Prat ein, wobei wir auf Steinen den Bach überqueren mussten. Nach einem kurzen Abstecher zum Font des Prat begann der lange Aufstieg in diesem Tal. Kurz nach der Quelle Font de ses Tosses d'en Gallina traten wir aus dem Wald heraus ins Dissgras-Gelände. Nun richteten wir unsere Augen nach rechts, um eine geeignete Stelle zum Gipfelaufstieg zu finden. Direkt vor uns befand sich die hohe Steilwand, die Kletterern vorbehalten bleibt. Der Wanderer muss sich nach rechts wenden, um am Südende des Gipfelaufbaus aufzusteigen. Die ersten Steinmännchen ignorierten wir. Doch dann sahen wir eine geeignete Stelle, die uns relativ einfach zu diesem Südende führte. Der auf der Karte gepunktete Weg geht weiter oben im Tal ab. Da wir aber mit unserer Abkürzung zufrieden waren, erfreuten wir uns an der Weg- und Zeitersparnis. Nun ging es mehr oder weniger weglos steil über die Felsen hinauf. Oben angekommen waren wir aber noch längst nicht auf dem Gipfel. Wir mussten noch die Hochebene queren, um zum höchsten Punkt zu gelangen. Doch was sahen wir dort? Eine Menschenmasse. Wie sich herausstellte, eine ASI-Gruppe (AlpinSchule Innsbruck). Der Wanderleiter meinte, ASI sei überall. Ich erwiderte, was ich als Mitglied dem deutschen Alpenverein schuldig war: „Der Summit-Club (Alpenvereins-Tochter) aber auch“. Da triumphierte er mit der Antwort: „Aber nicht mehr auf Mallorca“ Er hatte ein T-Shirt an mit der Aufschrift: Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du wirklich gewesen. Ich fragte ihn, ob er wisse, woher dieser Ausspruch stammt. Er wusste es nicht. Ja, unser guter alter Reichsrat von Goethe wusste schon damals das Wandern zu schätzen.


Auf dem Massanella-Gipfel


Blick vom Gipfel nach Nordosten

Abgestiegen sind wir zum Coll de sa Linia und dann links ab und vorbei an der Finca Coma Freda (Kaltes Tal) zur Mautstelle. Ich kannte die Mautpficht. Der österreichische Wanderführer sagte, dass ab 18:00 Uhr niemand mehr da sei. So lange wollten wir jedoch nicht warten. Später erfuhren wir von einem Einheimischen, dass der Kassierer nur bis 17:00 Uhr anwesend sei und keine Überstunden mache. Wir löhnten 5 € pro Person und wanderten hinunter zum GR 222, der von Artà zum Kloster Lluc führt. Diesen links gehend erreichten wir nach Kurzem die Ma-2130 und den Coll de sa Batalla mit dem Restaurant, wo es nach Aussage des Österreichers die besten Zickleingerichte von ganz Mallorca gibt. Wir behielten uns das für ein andermal vor und wanderten, nachdem wir die Ma-10 überquert hatten, zum Refugi Son Amer, das auf dem Weg zum Kloster liegt. Wir hatten telefonisch ein Zimmer im Kloster gebucht, denn wir zogen nach all' den Strapazen die Bequemlichkeit eines Zweibettzimmers vor. Trotzdem wollten wir wissen, ob im Refugi noch Kapazitäten frei sind. Es waren, da diese Hütte wesentlich größer ist als die am Tossals Verds. Noch ein kurzes Stück und wir konnten uns in unserem Zimmer im 3. OG mit schönem Blick auf den Klosterhof einrichten. Die Betten mussten wir allerdings selbst beziehen. Im alten Restaurant mit schönem Gewölbe genossen wir ein ordentliches Essen und Bier vom Fass. Welch ein Luxus!


Blick aus unserem Zimmer auf den Hof des Klosters Lluc


Im Restaurant des Klosters

Der Herr an der Reception des Klosters war so freundlich, für uns telefonisch ein Zimmer im Kloster auf dem Puig de Maria bei Pollença zu buchen. So wussten wir wenigstens, wo wir unsere müden Häupter nach unserem letzten Tag dieser Wanderung hinlegen konnten. Wir baten noch Bescheid zu sagen, dass es spät werden könne, um zu vermeiden, dass das Zimmer anderweitig vergeben wird. Das war o.k., und bis 20:00 Uhr bekämen wir auch noch ein Abendessen. Bueno.


9. Wandertag

Santuari de Lluc - Coll des Pedregaret - Tomir -
Coll de Fartàritx - Pollença - Puig de Maria

Das ausgiebige Frühstückbuffet gab es erst ab 8:00 Uhr, sodass wir, gemessen an dieser langen Etappe, erst spät wegkamen. Wir wanderten zurück zum Refugi Son Amer, überquerten die Ma-10 und folgten dem GR 221 über den Coll Pelat zum Coll des Pedregaret, wo wir den Weitwanderweg verließen, um auf den Tomir aufzusteigen. Dieser Berg gilt als der alpinste Mallorcas, obwohl der Aufstieg nicht allzu schwierig ist. Vielleicht sind die für mallorquinische Verhältnisse großen Geröllfelder für diese Auszeichnung verantwortlich. Seit einigen Jahren schon ist der Aufstieg mit der Zahl 2 markiert. Am Rande des großen Geröllfeldes stiegen wir steil auf, um es dann noch nach links zu queren. Wir passierten eine kleine Kletterstelle, die mit Eisentritten und einem Seil gesichert ist.


Geröllfeld (Rosseguera) am Tomir


Klettersteig am Tomir

Wenn man glaubt, der sichtbare höchste Punkt ist der Gipfel, hat man sich getäuscht, denn man steht erst auf einem Vorgipfel, von dem aus es noch ein gutes Stück nach Nordosten weitergeht. Um halb eins waren wir oben. Eigentlich war das noch recht früh, jedoch hatten wir noch ein langes Stück Weg vor uns durch ein Gelände, das ich nur schlecht kannte. Ich war den Weg zwar schon einmal gegangen, aber da hatte ich mich wegen der Länge des Weges ziemlich beeilen müssen . Außerdem ist mein Gedächtnis in puncto Wegeinprägung nicht das beste.Vom Tomir aus erkennt man bereits bestens unseren Weiterweg. Es sieht alles so nah aus, ist aber in Wirklichkeit eine weite Strecke.


Blick vom Gipfel des Tomir nach Norden auf Pollença, Port de Pollença und die Halbinsel Formentor


Ehemalige Schneegrube am Tomir

Nach einer kurzen Rast stiegen wir in schwach abfallendem Gelände nach Osten weglos ab. Ein Schneehaus am Wegesrand - wichtig für die Orientierung - fanden wir erst nach einigem Suchen. Von da ab gab es einen Saumpfad, der auf der Karte gestrichelt dargestellt ist. Allerdings ist dieser Weg nicht mehr gut erhalten, sodass man ihn leicht verfehlt. Es gibt auch Steinmännchen, aber nicht durchgängig. An einer Felswand suchten wir eine geeignete Stelle zum Abklettern. Nun verließen wir uns nur noch auf unseren Orientierungssinn. Es war nicht schwierig, denn die vor uns liegende Senke, in die wir hinunter mussten, war schon lange zu sehen, auch der in ihr verlaufende Fahrweg, der zum Kloster Lluc zurückführt. Auch ein zerfallener Grenzzaun führt hinunter. Allerdings war das Gelände teils mit dichtem Stechpolster übersäht, dem es auszuweichen galt.

Wir kamen am Coll de Fartàritx heraus, wo wir links steil am Nordwestfuß des Puig de Ca durch hohes Dissgras zu einem noch gut erhaltenem Schneehaus abstiegen. Es ist sogar noch fast zur Hälfte überdacht. Es könnte gut als Nachtlager dienen.


Ehemaliges Schneehaus unterhalb vom Coll de Fartàritx


Blick ins Innere des Schneehauses

Nun mussten wir zu der Hochfläche, die wir schon von weit oben im Blickfeld hatten, hinüberwechseln. Bei meiner Vortour hatte ich mich da verfranst. Ein Pfad führt Richtung Nordost hinunter. Aus Angst, ich könnte zuviel Höhe verlieren, hatte ich den Pfad dicht an den Nordabbrüchen des Puig de Ca gewählt. Aber dieser verliert sich. Also wanderten wir den abwärts führenden Pfad. Der führte jedoch derart weit hinunter, sodass ich zwischendurch Bedenken bekam. Aber wir waren richtig. Wir stießen auf einen Bach. Diese Stelle kannte ich und wusste, dass wir nun ostwärts über aufgelassene Trockenmauerterrassen auf einen Fahrweg treffen.Diesen gingen wir links und stießen auf den Fahrweg, der an der Finca Fartàritx del Racó vorbei über die Hochfläche führt. Viel Weidevieh zeugt von einer intensiven Nutzung des Terrains.

Das Foto zeigt den Blick vom Tomir mit meinen Einträgen. Der Puig de Ca ist außerhalb des rechten Bildrandes. Der Pfad ab dem Schneehaus ist unterhalb der Schrift „Pfad(e) zur Hochfläche“ nicht deutlich, aber dennoch zu erkennen. Wir stießen also auf die „Straße nach Süden“ und zweigten zur „Hochflächen-Straße“ ab. Der weitere Weg ist nicht mehr erkennbar. Er führt am Ende der Hochfläche über die Felswand hinunter.


Auf diesem Weg kamen wir zügig voran. Wir kamen zur Finca-Ruine Fartàritx d'en Vila, wo man die zum Eingang führenden Stufen hinuntergeht. Der Weg wird sodann zum Pfad und führt zum Gebäude der Finca Fartàritx Gran, das links von einer üppigen Blumenwiese steht. Da hatte ich einen fatalen Fehler gemacht. Wir gingen weiter und kamen an verrosteten Ackergeräten vorbei. An diese konnte ich mich erinnern und glaubte deshalb, dass wir richtig seien. Stattdessen muss man die Blumenwiese nach links verlassen und vor Fartàritx Gran den von weitem nicht erkennbaren Saumpfad nach Pollença einschlagen. Erst viel später fiel mir ein, dass ich diese Geräte nur kannte, weil ich auch bei meiner Vortour zu weit geradeaus gegangen war, dann aber umkehrte und den Saumpfad fand. Ich biss mich zu sehr daran fest, dass wir bei diesen Geräten noch auf dem richtigen Weg sein mussten und dass die Finca mit dem abzweigenden Saumpfad noch vor uns liegt. Warum habe ich nicht in die Karte geschaut, die alles aufgeklärt hätte? Wir gingen weiter und standen vor einem neuen Zaun. Wir überkletterten das Tor und marschierten auf breitem Weg bergab, wobei mir endlich klar wurde, dass wir falsch sind. Wir hätten umkehren oder diesen Wirtschaftsweg einfach weitergehen sollen. Er ist auf der Karte nicht verzeichnet, muss jedoch zwangsläufig südlich von Pollença herauskommen. Natürlich scheuten wir die eventuelle Begegnung mit dem Eigentümer dieses Terrains. Stattdessen bogen wir einen Feldweg links ab, denn uns war klar, dass der richtige Weg linkerhand liegt. Aber dieser Weg endete. Wir kletterten einen felsigen Hang entlang eines Zaunes hinauf, um auf den Kamm zu gelangen, hinter dem der richtige Pfad sein musste. Oben angekommen, konnten wir zwar den Zaun überklettern, aber keinen Weg erkennen. Wir kletterten abenteuerlich in dichtem Gestrüpp ab. Senkrechte Wände zwangen uns zu queren, bis wir endlich an einem Geröllfeld in die Senke hinuntersteigen konnten. Kein Weg! Uns wurde klar, um auf den Weg zu stoßen, müssten wir den Gegenhang hinaufklettern. Da zogen wir es vor, uns durch das dichte Gestrüpp talauswärts zu kämpfen. Zugewachsene Terrassen tauchten auf. Da konnte es nicht mehr weit sein in die Zivilisation. Und tatsächlich. Wir stießen auf einen Weg in dem Tal Coma de Xeixa, der uns zunächst durch Freizeitgelände zum GR 221 und nach Pollença führte.

Was für ein unnötiges Abenteuer! Meine größte Angst war, dass mir aufgrund der nachlassenden Kondition ein Fehltritt unterläuft. Zum Glück ist alles gut gegangen. Außer einigen Kratzern hatten wir die Aktion gut überstanden. Aber jetzt drängte die Zeit. Am Refugi del Pont Romá, das am Weg liegt, dachten wir, wie schön, wenn wir jetzt am Ziel wären. Aber wir mussten weiter. Die Stadt durchquerten wir von Nord nach Süd, zunächst zielstrebig und richtig. Dann fragten wir nach dem Weg und gelangten nahe einer Tankstelle auf die Ma-2200 mit der Stichstraße zum Puig de Maria mit dem Kloster. Unser Adrenalinspiegel musste derart gestiegen sein, dass wir noch schnellen Schrittes die ca. 270 Hm bewältigen konnten und noch kurz vor acht ankamen. Was für ein Tag, mit etwa 10 Stunden reiner Gehzeit, wobei man über große Strecken eigentlich nicht von Gehen sprechen kann. Das Zimmer war spartanisch, aber eine wohntuende Dusche und ein einfaches aber kräftiges Essen machten neue Menschen aus uns. Selbstredend, dass wir keine Schlafprobleme hatten.

Im Nachhinein betrachtet sahen wir meinen Fehler und die damit verbundene nicht ungefährliche Kletterexkursion gar nicht mehr so negativ. Es war ein Abenteuer und ein guter Test. Wir konnten sehen, was wir konditionsmäßig noch zu leisten imstande waren. Und das war ein zufrieden stellendes Gefühl. So gesehen also doch ein gelungener Tag.


Weiße Zistrosen


Blick vom Puig de Maria auf
Pollença

Eigentlich wollte ich mit dem Bus zurück zum Kloster Lluc, wo wir für unsere restlichen Tage wieder ein Zimmer gebucht hatten. Aber Gerd wollte wandern, also nahmen wir den GR 221 unter die Füße. Bis weit hinter Pollença ein hässlicher Weg mit Autoverkehr, der uns aber schöne Blicke auf die Berge erlaubte, die wir tags zuvor überquert hatten. Wir legten noch zwei Wandertage ein, einen mit abenteuerlicher Überquerung des Puig Roig (1.003 m), den anderen mit Besteigung des Puig d'en Galileu (1.181 m) und der Serra des Teixos (1.259 m). Zum Flughafen fuhren wir per Bus, wobei wir noch in einem Straßencafé in Palma ein letztes Mal die mallorquinische Sonne genossen.

Ich danke meinem Freund Gerd Fouquet für seine Aufzeichnungen, die mir beim Verfassen des Berichtes sehr behilflich waren. Ich war abends zu müde (und zu faul), um noch Schreibarbeit zu erledigen.