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Tagesweitwanderungen des DAV im Pfälzerwald
60 km-Rundwanderung um Neustadt
am Sonntag, den 7. Mai 2000
Wie im Vorjahr genossen wir den strahlenden Sonnenschein, allerdings nur bis zum späten Nachmittag, als wir nur knapp dem Unwetter mit groschengroßen Hagelkörnern entgingen.
12 Teilnehmer (darunter 9 AV-Mitglieder, 6 von unserer Sektion) marschierten um 6.00 am Bahnhof Neustadt los. 11 schafften die Tour mehr oder weniger locker, einer nahm am Forsthaus Heldenstein den Bus. Der Altersdurchschnitt von 51 Jahren beweist, wie wahr der Ausdruck von den „jungen Alten“ ist.
Natur und Kultur durften wir erleben, denn die Strecke führte uns nicht nur durch die allgegenwärtigen Naturschönheiten des Pfälzer Waldes, sondern auch an einigen historischen Stätten vorbei. Zum Auftakt die Wolfsburg, dann der Loblochstein, der Teufelsfelsen mit der schönen Aussicht und die vom Tal aus zu erblickenden Ruinen Erfenstein, Spangenberg und Breitenstein waren die ersten Glanzpunkte vor unserer frühen Mittagsrast am idyllischen Helmbachweiher. An der Hornesselswiese verließen wir das liebliche Helmbachtal, um auf teils verschlungenen Wegen zur Hofruine am Geiskopf, einem der größten untergegangenen Bauernhöfe im Pfälzer Wald, aufzusteigen.
Nach einer Nachmittagsrast an der Böchinger Hütte empfing uns einst blutgetränkte Erde am Fosthaus Heldenstein. Einige Rittersteine und Denkmäler weisen auf die wechselvolle Geschichte der verlustreichen Kämpfe um das Schänzel im Revolutionskrieg 1792-97 hin. Nicht alles konnten wir besichtigen, aber die Gräben der Schanzen mit den Rittersteinen „Verhau vor Schanze I“ und „Hauptschanze I“ sowie den Ritterstein „Stelle um welche General v. Pfau am 13. Juli 1794 fiel“ und die Denkmäler „Heldenstein“, „Schwedenstein“ und „Österreicher-Denkmal“.
Die nächsten Stationen, die Lolosruhe mit den „fünf Steinen“ und der Sattel Suppenschüssel mit den südöstlich vom Ritterstein teils in Kreisform im Wald versteckt liegenden langen Steinen dienten gemäß dem Neustadter Hobbyforscher Otto Schmid schon in der Früh- und Vorgeschichte der Sonnenbeobachtung zur Festlegung von Kalenderdaten. Wir passierten die Ruine der Hütte an der Hüttenhohl, von der Walter Eitelmann in seinem „Rittersteinbuch“ ausführt, daß sie irrtümlich als „Römerwachtstube“ bezeichnet werde, in Wahrheit jedoch aus dem Mittelalter stamme.
Vorbei am Bürgermeisterstein (Loogfelsen mit eingravierten Hausmarken) erreichten wir die Hohe Loog-Hütte, wo freundliches Hüttenpersonal uns noch nach Feierabend „vorm Verdursten rettete“. Die letzte historische Stätte dieses langen Wandertages, der Franzosenfels auf dem Nollenkopf, erinnerte uns an die wundersame Errettung Neustadts durch Kunigunde Kirchner, die 1688 den französichen Kriegskommissar de Werth mit ihrer Schönheit bezirzte. Die letzte schöne Aussicht genossen wir vom Zigeunerfelsen. Die Abendsonne zauberte von der durch den Gewitterregen dunstverhangenen Landschaft ein friedliches Bild. Auch konnten wir dank der neuerlichen Freilegung der Ringmauern die beachtlichen Ausmaße der Wolfsburg bestaunen. Der Kreis schloß sich; wir erreichten den Bahnhof um 20.30 Uhr.
58 km-Rundwanderung südwestlich von Neustadt
am Sonntag, den 13. Mai 2001
Zum dritten Mal 12 Teilnehmer, darunter 3 „Power-Frauen“. Zum ersten Mal kein Ausfall, obwohl diese Tour mit rund 2.300 Metern Höhendifferenz eine echte Herausforderung war. Kein Wunder, da die Besteigung von 5 Bergen auf dem Programm stand, darunter die beiden höchsten des Pfälzerwaldes, Kalmit (672,6 m) und Kesselberg (661,8 m), und der vierthöchste, der Hochberg (635,3 m). Bei dieser Leistung möchte ich mal die Teilnehmer aus unserer Sektion nennen: Isolde und Lothar Deck, Barbara Lang, Robert Nabinger, Thomas Oppenheimer, Winfried Stöckl und meine Wenigkeit. Wir hatten jedoch ideale Wettervoraussetzungen: Herrlicher Sonnenschein, nicht zu heiß, trockene Luft, und meistens wehte ein leises Lüftchen.
Obwohl für Pausen nur wenig Zeit blieb, konnten wir uns einiges anschauen: Am Königsberg die „Bruderhäuschen“ genannte Eremitage wohl aus dem 16. Jahrhundert, den Eingang zur 40 m langen und 12 m tiefen Heidenlochhöhle, von der ich einen Querschnitt zeigen konnte. Lothar Deck führte uns noch zum „Dampfloch“, aus dem bei niedrigen Temperaturen warme Luft ausströmt, die durch Kondensation eine gut sichtbare Dampfsäule bildet. Obwohl von den Hünengräbern und Ringwällen auf dem Königsberg nicht mehr viel zu sehen ist, beeindruckt die Tatsache, auf einem so historischen Boden zu stehen. Immerhin geht diese Besiedlung bis in die Hallstattzeit (1200 bis 550 v.Chr.) zurück. Vermutlich residierte hier sogar ein keltischer König, worauf der Name des Berges zurückzuführen ist.
Ob der Jakobspfad zwischen Hellerplatz und Totenkopf tatsächlich Bestandteil der berühmten Jakobswege war, ist anzuzweifeln. Meinen Zweifel mußten jedoch wir alle gleich hinter dem Johannesbrunnen (südlich Totenkopf) büßen, denn ein dummer „Verlaufer“ bescherte uns zusätzliche 3 km zu den 55 km laut Programm. Aber entschädigt wurden wir wieder durch wunderschöne Pfade: Hohlwege ins Sauermilchtälchen, Pfädchen am romantischen Triefenbach entlang, Natur pur beim Überschreiten des Kesselbergrückens.
Die Gletschermühlen auf dem Kesselberg haben nie einen Gletscher gesehen, aber diese Felsen sind so schön glatt geschliffen, daß man ihre Form offenbar bereitwillig der Eiszeit zuschrieb. Die runden Vertiefungen in den Felsen (Kessel) waren namengebend. Am Kohlplatz erinnerte uns ein Ritterstein an die Rückzugsgefechte des Bataillons von Schladen nach der verlorenen Schlacht am Heldenstein gegen die Franzosen im Revolutionskriegsjahr 1794. Unseren Berg Nr. 3, den Frankenberg, ziert eine gleichnamige Burgruine, von der allerdings fast kein Gemäuer mehr erhalten ist. Imposant sind jedoch die erstaunlich glatten Wände der in den Fels gehauenen Räume und des Halsgrabens.
Obwohl wir angemeldet waren, geruhten die Wirtsleute der Amicitiahütte einen Betriebsausflug zu machen. Aber wir konnten uns mit Mitgebrachtem bestens selbst versorgen. Büßen mußten wir jedoch ein zweites Mal, denn der sehr steile Kreuzweg von der Kropsburg nach St. Ottilia nach bereits über 35 km Fußmarsches erforderte viel Kondition. Aber die Belohnung folgte postwendend: Wunderschöne schmale Pfade mit viel Heidelbeergrün führten uns über den Hochberg. Am Schorlestumbe versuchte ich Wiedergutmachung für den vorerwähnten Umweg mit einer trockenen Rieslingschorle. Da der Hochberggipfel so flach ist, daß man ihn gar nicht erkennt, ziert eine von uns noch erhöhte Steinpyramide die höchste Stelle.
Auf mehrheitlichen Wunsch legten wir an der PWV-Hütte An den Fichten nochmals eine Rast ein. Danach genossen wir noch den romantischen Wolselbachlauf und das Felsenmeer auf dem Hüttenberg (591,2 m), den ich als „Vorberg“ der Kalmit bei den 5 Bergbesteigungen gar nicht mitgerechnet habe. Nach schönen Fernblicken von Sühnekreuz und Bergstein kamen wir durch die zusätzliche Rast verspätet um 21.00 Uhr müde aber mit unserer Leistung zufrieden am Bahnhof in Neustadt an. Nächstes Jahr wird’s leichter. Versprochen!
54
km-Rundwanderung nördlich von Neustadt
am
Samstag, den 25. Mai 2002
Der Wetterbericht war einfach zu schlecht. Dennoch kamen noch 8 Teilnehmer zusammen, alle von unserer Sektion. Und wir wurden belohnt. Es tröpfelte nur ein paar mal; das war nicht der Rede wert. Und am späten Nachmittag verwöhnte uns sogar noch die Sonne.
Exotische Bäume begrüßten uns am Haardtrand. Erwähnen möchte ich den herrlichen Blick vom Haardter Treppenweg auf die von Libanon-Zedern umrahmte Hüllsburg. Und noch den weniger bekannten größten und ältesten Speierling Neustadts am Kübelweg in der Nähe des Bienenstandes.
Dann ging’s bergauf, vorbei an den Mauerresten eines ehemaligen Klosters hinauf zum Bergstein mit schöner Aussicht. Vorbei an Weinbiet und Hinterem Langenberg erreichten wir die Alte Schanze. Der dortige Ritterstein erinnerte uns an die Kriegstage im Jahr 1794, wie dies schon bei unseren Wanderungen in den Jahren zuvor die Rittersteine am Schänzel (Steigerkopf) und am Kohlplatz taten. Eine Senke hinauf, um den wenig schönen Weg (blau-weißer Strich) zu vermeiden, gelangten wir zum Vorderen Stoppelkopf.
Der Blick vom Hinteren Stoppelkopf ist leider von Bäumen weitgehend versperrt. Im Zwerlebachtal, dessen Ausgang durch den Kurpfalzpark versperrt ist, habe ich noch nie einen Wanderer angetroffen. Am Kaisergärtchen legten wir unsere 2. Rast ein. Von dem lustigen Namens-Dreiklang Jagdhaus Schaudichnichtum, Forsthaus Kehrdichannichts und Wachturm Murrmirnichtviel ist leider nicht mehr viel zu sehen. Vom ersteren stehen nur noch spärliche Reste der Grundmauern, beim letzteren wurden diese Reste wieder ein wenig restauriert. Vom Forsthaus Kehrdichannichts, dem ein prunkvolles Jagd- und Lustschlößchen aus dem Jahr 1722 voranging, ist deshalb nicht mehr viel zu sehen, weil das Gelände versperrt und auch der Ritterstein nicht mehr zugänglich ist.
Vorbei an der Alten Schmelz, durchs Kleine und Große Sommertal kamen wir zur Ruine Schloßeck. Nach einhelliger Meinung der Historiker wurde diese Burg aus dem Ende des 12. Jahrhunderts nie vollendet und damit auch nie bewohnt. Schön anzusehen das von Prof. Mehlis wiedererrichtete eigentümlicherweise in die Schildmauer hineingebaute romanische Portal. An der Papierfabrik Schleipen verließ uns ein Teilnehmer, und das „Häuflein der 7 Aufrechten“ marschierte weiter zur Hardenburg.
Diese zu besichtigen hätte zuviel Zeit gekostet, daher ging’s gleich weiter am Schlangenweiher vorbei ins liebliche Hammelstal und auf einem wunderschönen schmalen Pfad entlang der Moos-Dell zum Weißen Stein. Die ursprüngliche Bedeutung dieses Steines hat mit weißer Farbe nichts zu tun, sondern mit Grenzweisung. Bezeichnenderweise steht auf der Karte noch in Klammern „Streckarsch“. Denn bei den früheren Grenzbegehungen wurden Knaben gepritscht, d.h. sie wurden über den Stein gelegt und bekamen vom Pritschmeister leicht den Hintern versohlt, damit sie sich die Grenze merken sollten.
Im Oppauer Haus schmeckte einigen von uns das erste Bier des Tages, andere zogen Kaffee und Kuchen vor. Köstlich, nach fast 40 km Wanderung! Aber weiter ging’s, vorbei am Vorderen Langenberg, zum Spielstein, einer fast ebenerdigen Felsplatte mit 3 eingravierten Sicheln und Würfeln. Vorbei an Stabenberg und Plattenberg gelangten wir über Gimmeldingen und durch Weinberge zum Rosengarten und schließlich kurz nach 20 Uhr zum Ausgangspunkt Bahnhof. Noch schnell ein Gruppenfoto, und die müden Häupter wandten sich heimwärts.
Ein Nachwort möge mir gestattet sein. Viele schöne Pfade, Forst- und markierte Wanderwege nahmen wir unter die Füße. Einige von mir extra ausgesuchte Wege sind so schön heidebewachsen, daß nur 2 Fahrspuren den Bewuchs trennen. Aber leider wurde durch den Holzeinschlag einiges verunziert. Immer größere Maschinen und Fahrzeuge nehmen immer weniger Rücksicht auf die Natur und die sich an ihr erfreuenden Wanderer.
54
km-Rundwanderung nordwestlich von Neustadt
am
Samstag, den 24. Mai 2003
Wieder 12 Teilnehmer, obwohl einige „alte Hasen“ nicht dabei waren; dafür kamen 6 neue. Wieder herrliches Wetter; das für den Nachmittag vorhergesagte Gewitter kam erst in den späten Abendstunden.
Los ging’s über den Sonnenweg zur allen bekannten Wolfsburg. Weniger bekannt dürfte die Sage sein, nach der einstmals ein dort hausender Raubritter seinen Pferden die Hufeisen verkehrt herum aufschlagen ließ, um seine Verfolger in die Irre zu führen. - Nahe Lindenberg unternahmen wir einen kleinen Abstecher zum 1841 zu Ehren König Ludwig I errichteten Loblochstein.
Von Lambrecht nach Lambertskreuz führte uns das „Lellebebbelpädel“, dessen kuriosen Namen zu erklären viel Spaß bereitet. Nach Fertigstellung dieses Pfades vor dem 1. Weltkrieg meinte der Erbauer zu seinem körperlich besser als geistig bemittelten Helfer bei der Suche nach einem Namen: „Ach nennen mern grad nooch dir!“
Von der Kreuzung Sieben Wege gelangten wir zum Fuß des Drachenfels-Südfelsens. Ein schmaler Pfad führte uns um die imposante Felslandschaft der Südwestecke herum, wo es laut Wanderkarte eine römische Burgfestung gab. Auf dem Westfelsen genossen wir die herrliche Aussicht bis zum Donnersberg.
Nach dem Abstieg zum Saupferch ging’s wieder hinauf, vorbei an der Wüstung Stüterhof, wo die Leininger Grafen einst eine Pferdezucht betrieben. Im Glastal erinnert ein Ritterstein mit der Inschrift „Ruinen alte Glashuette und Forsthaus alte Glashuette“ an die Glasherstellung im 18. Jahrhundert.
In Weidenthal widerstanden wir erfolgreich den Verlockungen eines Volksfestes und marschierten zügig weiter zur Wolfsschluchthütte, wo wir uns allerdings eine Mittagsrast nicht nehmen ließen. Ein schöner Weg führte uns am idyllischen Breitenbach entlang nach Breitenstein. Dort nahmen wir Abschied von 4 Wanderern, die immerhin 37 km geschafft hatten. Es muß einmal gesagt werden dürfen: Respekt vor denen, die mitmachen, auch wenn sie nicht sicher sind, die ganze Strecke durchzustehen. Das ist doch besser als von vornherein zu Hause zu bleiben. Und - auch 37 km sind eine respektable Leistung!
Auf dem Drei-Burgen-Rundweg gelangten wir zum ehemaligen Stutgarten der Burg Spangenberg. Interessant die Einfriedung der Pferdekoppel mit ursprünglich 215 riesigen bis zu 3 Meter hohen und 1,5 Tonnen schweren Sandsteinpfosten, von denen etwa noch die Hälfte vorhanden ist. 7 Stück wurden restauriert, wieder aufgestellt und mit Holzquerstangen versehen, so dass man sich ein gutes Bild von der damaligen Einfriedung machen kann.
Von der Ruine Spangenberg gelangten wir, nicht wie in der Sage über eine lederne Brücke zur Burg Erfenstein, sondern auf Wanderpfaden hinunter zum Ort Erfenstein und wieder hinauf zur Hellerhütte. Da wir gut in der Zeit lagen, genehmigten wir uns eine längere Pause, die mit einigen „kreisenden Schoppen“ (der Hitze entsprechend nur Schorle) verschönert wurde.
Natürlich fiel es schwer, die müden Glieder für die letzten 10 km zu erheben. Aber an dem Grenzfelsen Breite Loog gab es bereits wieder eine kleine Pause, um den freigelegten und restaurierten Dreimärker zu betrachten. Er könnte viel erzählen, so z.B. von den blutigen Streitigkeiten bei der Grenzbegehung im Jahre 1748, die mit einem Toten und etwa 20 Verletzten endeten. Damit der Felsen sauber gehalten werden kann, hat die Ortsgruppe Lambrecht des Pfälzerwald-Vereins einen Besen aufgehängt. Dazu gibt es - nein, kein Gipfelbuch, aber ein Besenbuch - ein wirklich humorvoller Einfall.
Nächste Station: Kaisergarten. Hier feierten die Lambrechter u.a. 1804 ein befohlenes Fest anlässlich der Kaiserkrönung Napoleon I. Daher der Name Kaisergarten. - Vorbei an der Hauberanlage, wo der Neustadter Ehrenbürger Ludwig Heinrich Hauber seiner Frau Karoline ein Denkmal gesetzt hat, erreichten wir um halb neun den Neustadter Bahnhof.
62
km-Rundwanderung
am Samstag, den 15. Mai 2004
Eine Wanderung der Superlative! Bestes Wanderwetter, Sonnenschein, aber nicht heiß. Kein Ausfall, alle 10 Teilnehmer erreichten sogar früher als geplant wieder den Ausgangspunkt Bahnhof. Die Rucksackapotheke wurde nicht gebraucht. Mit 62 km die längste Tour, und mit 55,9 Jahren der höchste Altersdurchschnitt der Teilnehmer seit 1999, seit ich die Ehre habe, die Tagesweitwanderungen zu führen. Aber leider war erstmals keine Frau dabei. Zwei Nicht-DAV-Mitglieder wurden durch die Zeitung informiert. Den Pressewart wird's freuen. Auch ein Mitglied der Sektion Ludwigshafen nahm teil.
Zahlreiche idyllische Bäche waren über große Strecken unsere Begleiter: der Bach im Heidenbrunnertal, die Bäche Argenbach, Speyerbach, Erlenbach, der Bach, der vom Locheck herunterkommt, dann Miedersbach, Helmbach, Kohlbach, der Bach, der uns ins Birkental führte, und schließlich noch die Bäche im Finstertal und Kaltenbrunner Tal. Viel Natur pur war zu schauen, wobei das Plätschern, Murmeln und Gurgeln der Bäche in unseren Ohren klang. Viele Bäche sind aufgrund der bis Anfang des 20. Jhdts. betriebenen Flößerei in Sandsteinmauern gefasst. Die Stauwerke und Stauseen (Wooge oder Klausen genannt) sind ebenfalls Relikte aus jener Zeit. Selbst der kleine Erlenbach, dessen Sumpfdotterblumen in voller Blüte standen, diente der Flößerei. Aber auch viele natürliche Bachläufe erfreuten unser Auge. Besonders der Miedersbach hat sich im Wiesen- und Moosgelände in vielen Windungen seinen Weg gesucht, wobei sich Inselchen und kleine Moore gebildet haben. Ein lieblicher Anblick!
Am Gedenkstein für den Pfälzerwäldler Ludwig Fischer unweit vor der Hellerhütte hielten wir kurz inne. - Die fast allen Teilnehmern noch nicht bekannte Erdspalte in der Nähe des Studerbildes ist keine Aufsehen erregende Sehenswürdigkeit. Nur einige Meter tief und etwa 40 cm breit. Aber es war interessant zu lauschen, wie ein hinabgeworfener Stein einige Sekunden lang weiterkullerte, so dass man davon ausgehen kann, dass sich diese Spalte noch im Berg fortsetzt.
Einen Ritterstein am Wege möchte ich erwähnen: "Hecker-Brücke". Unter Anführung eines beherzten Appenthaler Bürgers, der nach dem badischen Freischärler Friedrich Hecker aus dem Revolutionsjahr 1848 den Beinamen Hecker erhielt, wurde der Bau dieser Brücke durch eine "Revolution" der Bürger ertrotzt. - Eine Schmunzel-Story ist auch aus Appenthal überliefert: Ludwig I. von Bayern besuchte mit seiner Mätresse Lola Montez dort einen Freund. Einem sittenstrengen hohen geistlichen Würdenträger soll der König geantwortet haben: "Bleiben Sie bei Ihrer Stola, ich bleib bei meiner Lola".
In Speyerbrunn legten wir auf den zur Quelle des Speyerbaches hinabführenden Steintreppen eine wohlverdiente Mittagsrast ein. - Lange schon bevor wir den Helmbachweiher erreichten, versprach ich eine Rast am dortigen Kiosk und an der Totenkopfhütte. Leider war der Kiosk geschlossen. Aber von freundlichen Ausflüglern, die gerade Spieße grillten, bekamen wir eine schmackhafte Kostprobe. Laut Zeitplan mussten wir die Totenkopfhütte um 18.20 Uhr erreichen. Ich fürchtete, gesteinigt zu werden, sollte auch sie geschlossen sein. Der "Speedy-Trupp" eilte voraus und konnte die Wirtsleute gerade noch rechtzeitig am Abschließen der Hütte hindern. Es war für alle eine Ehrensache, das freundliche Angebot der PWV'ler, im Auto mitfahren zu dürfen, abzulehnen. Aber die Mehrheit wollte nicht nochmals von einer Rast die müden Glieder erheben müssen, so dass wir der Kaltenbrunner-Hütte die kalte Schulter zeigten und zum Bahnhof durchmarschierten.
Noch schnell ein Gruppenfoto, und die meisten versprachen, das nächste Mal wieder dabei zu sein.
52 km-Rundwanderung
am Samstag, den 21. Mai 2005
18 Teilnehmer - Rekord! Und das trotz der schlechten Wettervorhersage. Aber wir hatten riesiges Glück. Regenschutz brauchten wir erst gegen Schluss am Weinbiet. Allerdings war es unangenehm schwül. Durch eine Streckenverkürzung kamen statt 54 "nur" 52 km zusammen. Aber 52 km,. die es in sich hatten, denn der Höhenmesser addierte knapp 2.000 Meter Höhendifferenz. Es ging ständig bergauf und -ab.
Eine Teilnehmerin wollte sowieso nur eine Teilstrecke laufen. Die verbliebenen 17 hielten alle bravourös durch, davon 11 DAV'ler aus unserer Sektion: Margarete Kilgus - die Henne im Korb -, Thomas Böhmer, Ottmar Hery, Klaus Koppenhöfer, Robert Nabinger, Rainer Nett, Thomas Oppenheimer, Herbert Schmitt, Peter Seckinger, Winfried Stöckl und meine Wenigkeit. Erwähnen möchte ich noch meinen 13-jährigen Enkel, nicht nur weil der Opa stolz auf ihn ist, sondern weil ich hoffe, dass er die Jugend motivieren kann. Also ihr Jungen, mitgemacht das nächste Mal! Weitwandern stärkt die Kondition fürs Hochgebirge!
Nach Überqueren von Stabenberg und Eckkopf bot sich unseren Augen der imposante Tiefblick vom oberen Rand des Südbruchs des stillgelegten Forster Basaltsteinbruchs hinunter auf den "Kratersee". Eigentlich ist das Gelände abgesperrt, doch der Zaun ist lückenhaft. Aber Nachahmer, aufgepasst! Nicht zu nah an den Rand treten, er könnte abbrechen.
Hinunter ins Wachenheimer Tal, hinauf zum Hexenstein und das Poppental querend, erreichten wir Seebach. Die Sandsteintafeln im Lapidarium des bereits 1136 erstmals erwähnten ehemaligen Benediktinerinnenklosters St. Laurentius berichten ohne Angabe der Gründe von einer Zerstörung im Jahre 1472. Bei meinen Recherchen stieß ich auf den Kurfürsten Friedrich I., der aufgrund einer von vielen Fehden 1471 bei einer Belagerung des leiningischen Bad Dürkheims sein Feldlager im Kloster aufschlug. Dabei wurde das Langhaus der Kirche so sehr beschädigt, dass es renoviert werden musste. Der aus einem Faltblättchen über die nunmehr protestantische Kirche zitierte Satz "Während der Belagerungszeit lockert sich die strenge Zucht im Nonnenkloster" verfehlte seine erheiternde Wirkung nicht.
Der römische Steinbruch Kriemhildenstuhl aus dem 2. bis 3. Jhdt.n.Chr. weist viele Inschriften und Steinmetzzeichen der in Mainz stationiert gewesenen 22. Legion aus. Bei den Nazis fiel der pfälzische Archäologe Friedrich Sprater in Ungnade, da er keine keltisch-germanische Kultstätte, sondern zweifelsfrei nur einen römischen Steinbruch erkennen konnte.
Nächster Höhepunkt: der Heidenmauer genannte keltische Ringwall in Form eines gespannten Bogens aus der Zeit um 500 bis 400 v.Chr. Dort gibt es zwei aktuelle Ausgrabungsstätten: Eine vom Haupttor im Osten und eine direkt oberhalb des Kriemhildenstuhls, wo man laut Aussage des Grabungsleiters außer Mauern noch keine Gegenstände gefunden hat, da die Latenezeit (550 - 10 v.Chr.) offenbar tiefer liege.
Vorbei an der Kaiser-Wilhelm-Höhe wanderten wir ein Stück am Ringwall entlang und konnten uns so die gewaltigen Dimensionen des damals bis zu 11 m hohen Walls gut vorstellen. Nach Aufsuchen eines keltischen Hügelgrabes und kurzem Halt amTeufelsstein, einem angeblich germanischen Kultplatz, gönnten wir uns eine ausgedehnte Halbzeitrast an der PWV-Hütte an der Weilach.
Hinauf und hinunter ging's weiter immer munter: Peterskopf mit Bismarckturm, Isenachtal, Hardenburg, Dicke Eiche, Hammelstal, Weißer Stein, Rotsteig, Silbertal. Im dortigen Forsthaus zischten die ersten Biere des Tages vor dem direkten Anstieg zum Weinbiet. An der Terrasse Dr. Welsch empfing uns der Rheinpfalz-Pressefotograf, der unseren müden Mienen ein Lächeln abzwang. Spät, Viertel vor neun, erreichten wir glücklich den Bahnhof.
54 km-Rundwanderung
am Samstag, den 20. Mai 2006
Erstmals in 8 Jahren kein Wetterglück. Und dennoch neuer Rekord: 21 Teilnehmer; einer ging nur eine Teilstrecke mit, ein zweiter musste wegen angeschlagener Gesundheit aufgeben, 19 kamen wohlbehalten ins Ziel, darunter 3 Power-Frauen. 4 Teilnehmer hatten wir der bevorstehenden Mâcon-Wanderung zu verdanken. Abgesehen von meinem 14-jährigen Enkel war der jüngste Teilnehmer 37 Jahre alt, bei einem Altersdurchschnitt von 50 Jahren. Wo bleibt die Jugend?
Auf dem Heidelberg bei Hambach, den wir überschritten, sind noch Ringwälle aus dem Spanischen Erbfolgekrieg erhalten. Hierzu sei kurz bemerkt: Der letzte spanische Habsburger, Karl II, ein infantiler Krüppel, der 1700 starb, hatte in seinem Testament Philipp von Anjou auf Betreiben Ludwigs XIV als Gesamterben eingesetzt. Das widersprach der englischen Gleichgewichts- und der habsburgischen Machterhaltungspolitik. Wegen des absehbaren Krieges wurde auf deutscher Seite schon vor seinem Beginn 1701 eine Verteidigungslinie aufgebaut. Der nicht umkämpfte vorderpfälzische Teil dieser Linie nördlich der französischen (!) Festung Landau reichte vom Heidelberg über Speyerdorf und entlang des Speyerbaches bis Speyer. Man wollte damit eine nochmalige Verwüstung der Pfalz wie im erst 1697 beendeten Pfälzischen Erbfolgekrieg vermeiden.
Auf dem nächsten Heidelberg sahen wir noch alte Grundstücks-Parzellen, die vom früheren Obstanbau herrühren, mit dem sich die damals recht armen St. Martiner Winzer ein Zubrot verdienen konnten. Ein winziges Stück Steinwall soll der Rest eines keltischen Ringwalles sein. Auf seinem Freizeitgelände hat ein St. Martiner Bürger phantasievoll die "Ruine Heidelberg" geschaffen.
Kalt war's. Wir froren während der kurzen Rast im zugigen Vorbau der St. Anna-Hütte, die wir über Werderberg, Villa Ludwigshöhe und Schweizer Haus erreichten. Der steile Aufstieg zu den Teufelsfelsen konnte uns ein wenig erwärmen, aber dann kam zur Kälte noch der Regen hinzu. Vorbei am Waldhaus Drei Buchen, die Ruine Meistersel auslassend, strebten wir durchnässt dem Lambrechter Naturfreundehaus zu. Eine warme Suppe war das Beste, um die Lebensgeister wieder zu wecken.
Beim Verlassen des Hauses "schüttete es aus allen Rohren". Wir beschlossen daher mehrheitlich, ab Helmbach den kürzesten Weg nach Hause zu gehen. Doch, welch Wunder, in Helmbach schien plötzlich die Sonne. Der "Ausrede" beraubt, kamen wir nicht umhin, die vorgegebene Route einzuhalten. Über die Wolfsgrube bei Schwabenbach, die Wolfsschluchthütte rechts liegen lassend, erreichten wir Esthal, und uns erreichte das Unwetter. Auf die beiden Burgruinen Erfenstein verzichtend, eilten wir das Erfensteiner Tal hinab. Wir hatten Glück, in diesem Tal gab es keinen Windbruch. Der letzte Aufstieg, rund 300 Höhenmeter zur Hellerhütte im stömenden Regen, war nochmals ein hartes Stück Arbeit. Welch Glück, die Hütte war gegen 19.00 Uhr noch nicht geschlossen. Ein Blick auf meinen Höhenmeter verriet: 2000 Höhenmeter im Anstieg hatten wir bewältigt. Und das bei diesem Wetter!
Und dann kam als versöhnender Abschluss nochmals die Sonne hervor. Bezaubernd anzuschauen, wie die sanften Strahlen der untergehenden Sonne den dampfenden Wald durchfluteten. Spät erreichten wir den Bahnhof kurz nach 21.00 Uhr.
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